Palme- ganz normal verrückt

4. Die Rache des Feindes(Part1)

Die restlichen Unterrichtsstunden bis zur Mittagspause gingen wie im Flug vorbei. Kaum hatte es geklingelt, da kam auch schon Benno um uns zu ärgern. "Seit ihr zufrieden", fragte er genervt. "Hättet ihr nicht gelogen, wäre es gar nicht erst so weit gekommen", entgegnete ich. "Wenn ihr verpennt, ist das nicht unsere Schuld. Wir haben nichts falsches getan. Doch ihr? Ihr geht zu Frau Kleinert und erzählt ihr das wir daran Schuld sind. Jetzt dürfen wir Nachsitzen. Danke." "Wir haben lediglich erklärt, das wir nicht geschwänzt haben, sondern nur verschlafen haben. Es ist nicht unsere Schuld, wenn sie euch dafür verantwortlich macht, was ihr angestellt habt", erwiderte ich. Benno warf jeden von uns einen bösen Blick zu und dann drehte er sich um um zu gehen. Als er weg war, sagte Anne: "Ich geh ihn nach. Ich muss mit ihm sprechen. Bitte Paula sei nicht böse." Ich schaute Anne an. Vielleicht sollte ich einfach mal nett in dieser Sache sein. "Geh", antwortete ich in einen hoffentlichen netten Ton. "Danke", meinte Anne, umarmte mich und lief Benno hinterher. "Das war nett von dir." "Danke schön Lotte." Wir zwei gingen zusammen in die Mensa. Lotte entdeckte an einen der Tische Ena und steuerte auch auf diesen zu. Ich wäre am liebsten umgedreht, doch ich lief hinter Lotte her. Maxi sollte mal sehen, das ich die bessere Freundin war und Ena auch akzeptieren konnte. Wenn ich nett zu ihr wäre, dann würde sie es Maxi sagen und nur so konnte ich gewinnen. Diesen Plan hatte ich mir im Unterricht überlegt.
"Hi", sagte Ena als wir uns neben ihr niederließen. "Hallo. Gehst dir besser", fragte ich in einen total netten Ton. "Ja, mir geht es gut. Danke der Nachfrage", entgegnete Ena. Sie klang überrascht. Ich war das übrigens auch.
"War es langweilig allein im Zimmer", fragte Lotte. "Naja...es ging. Besser als zu hause allein." "Wie gehts Maxi", fragte ich weiter. "Ich bin ihr hinterher. Sie wollte alleine sein. Aber sie wollte noch das ich euch einen Brief gebe. Den habe ich oben auf dem Zimmer." Ich lächelte tapfer weiter. "Was habt ihr den im Unterricht gemacht?" "Nichts. Hast nichts verpasst. Du sitzt neben Elias und Paula." Ena grinste. Am liebsten hätte ich sie, für dieses Grinsen, angeschrien. Ich verkniff es mir.
Doch kaum hatten wir geschwiegen, da ergriff jemand unerwartet das Wort: Tom! Er stand hinter mir.
"Na Mädels?? Mein Kumpel Jim und ich dürfen uns doch neben euch setzten, oder?" Ohne die geringste Chance "nein" zu sagen, ließen sie sich neben uns nieder. Mann, was wollten die nur von uns? Es gibt in dieser schule mindestens 50 freie Tische und diese beiden...naja dieser eine idiot(gegen Jim hatte ich eigentlich nichts), musste sich gerade an unseren Tisch setzten. Nein, das war mir einfach zu komisch. Irgendwas musste da doch falsch sein! Was war denn nur los?
"Sagt mal wo ist denn Anne", beantwortete Tom meine Frage. "Falls es dir noch nicht aufgefallen ist", antwortete Ena, "Anne will nichts mehr von dir. Lass sie in Ruhe!" "Könnet ihr mal das Geheimniss lüften woher ihr euch kennt", fragte Lotte. "Genau ENA! Erzähl mal woher du Jim, Max und mich kennst! Das wäre sicher eine interessante Geschichte", sagte Tom. "Lass sie", murmelte Jim so leise, das es nur Tom, der neben ihn saß und ich,die auch neben ihm saß, mitbekamen. Jim war eigentlich Tom's bester Kumpel. Außerdem war er unser Gummibärchendealer. Seinen Vater gehörte eine Gummibärchenfabrik und damit machte Jim hier Geschäfte. Das lohnt sich auch, weil Jims Vater nämlich auf außergewöhnliche Kreationen steht. Lotte hatte zum Beispiel mal Gummibärchen mit Pizzageschmack bekommen. Alles in allen würde ich sagen, das Jim eigentlich schon ein ziemlicher cooler Typ ist.
"Tom, lass mich in Ruhe. Lass Anne in Ruhe. Das hier ist nicht dein Herrschaftsbereich. Und wenn du unbedingt eine Geschichte hören willst, dann erzähl doch mal wieso eure Eltern euch hierher geschickt haben!" Tom schaute Ena an. "Wissen deine neuen Freundinnen was du so schönes gemacht hast?" "Tom, lass sie in Ruhe. Ich bitte dich. Hör auf was zu sagen. Komm wir haben besseres zu tun. Wir suchen Gustav." Tom drehte sich von Ena weg und sagte zu Jim: "Das gerade du sie verteidigst, hätte ich nicht gedacht. Weißt du nicht mehr was sie gemacht hat. Und falls du es nicht mitbekommen hast, sie ist nicht zu uns gekommen. Sie hängt mit Max rum. Aber bitte, lass uns gehen!" Tom stand auf, nahm sein Essen und suchte sich einen neuen Sitzplatz. Jim folgte ihn ohne uns auch nur einmal anzusehen. Wir dagegen blieben verwundert zurück. "Ena", fragte Lotte vorsichtig. "Glaubt mir, Tom spielt das alles viel zu hoch. Bitte fragt nicht weiter." Dann wandte sich Ena wieder ihren Essen zu. "Ähm ja... sag mal, wenn du Tom doch eigentlich nicht magst, wieso saß du gestern dann mit ihm und Max an einen Tisch", fragte ich trotz ihrer Bitte. "Wegen Max halt. Er wollte das wieso auch immer."

Nachdem Unterricht war AG-Zeit. Jeder von uns sollte sich mindestens zwei AgGs aussuchen. Als wir in der fünften Klasse waren, hatten wir eine Wette verloren und deswegen mussten wir die AG Fussball wählen. Schließlich sind Wettschulden für uns Ehrenschulden. Auf jeden Fall fanden wir das zu erst total dumm, aber dann entdecken wir das Fussball total cool ist. Deshalb wählten wir seit der fünften Klasse immer Fussball als AG. Mädchen und Jungen trainierten getrennt.
In der AG war alles wie immer nur mit dem Unterschied, das uns mitteilt wurde das unsere AG ein neues Mitglied hatte: Ena. Doch trotzdem war sie ja nicht da, da sie krank war. Ich fand das nicht sehr schlimm. Anne erzählte in der AG nicht viel von Benno und ihr. Das war ja mal wieder typisch. Ich wette heute Nacht wird sie uns wecken um uns alle Einzelheiten zu erzählen. Doch der Rest des Abends verlief ruhig. Ich behielt sogar die Fassung als wir in das Zimmer kamen und dort Max und Ena waren. Max hatte heute anscheinend auch einen guten Tag. Sobald wir kamen, verließ er das Zimmer.
"Hatte Max nicht AG", fragte Anne unauffällig. "Nein. Heute hatte er Ausfall, weil er mir Schulaufgaben erklären sollte", sagte Ena. Anne, Lotte und ich wechselten Blicke aus. "Schulaufgaben. Das hätten wir dir auch erklären können", sagte Lotte. "Ist schon in Ordnung. Max macht das gerne und ich möchte euch echt nicht als Last an fallen. Ist aber schon blöd das ich gerade die erste Woche fehle", sagte Ena. Ich verkniff mir irgendein Kommentar. "Wo ist eigentlich der Brief, den Maxi hier gelassen hat?" "Oh, ich muss ihn erst noch suchen. Vorhin hab ich ihn noch gesehen, aber in meiner Unordnung verschlampe ich alles." Maxis Brief verschlammt? Wie konnte sie nur? Was ist, wenn da was wichtiges drinnen gestanden hat? Zeit um mit Max "Schulaufgaben" zu machen hat sie, aber wenn es um einen wichtigen Brief geht, dann verschlampt sie ihn. Ich schaute sie an wie sie da saß mit ihren Lächeln und den Unschuldsengel spielte. Für einen Moment überlegte ich ob es irgendwas ändern würde, wenn ich sie anschreien würde, doch entschied ich mich um. Ich würde weiterhin nett zu ihr sein um Maxi zu beweisen das ich das konnte.
Der restliche Abend verlief dann ruhig. Auch passierte komischer Weise auch nichts bis zum Wochenende. Da Ena krank war, fand man Max seinen freien Tag meist in unseren Zimmer verbringen. Zu dieser Zeit versuchte ich es zu vermeiden in das Zimmer zu gehen. Maxis Brief schien wie verschwunden, aber Ena versprach den Brief zu finden bis zum Wochenende, deswegen war ich schon sehr gespannt darauf. Da auch Maxi krank war, wollten wir am Wochenende bei ihr vorbei schauen und ihr die Aufgaben bringen. Mit dieser Vorstellung von dem Wochenende wachte ich Samstagmorgen auf. Das erste was ich entdeckte war Annes leeres Bett. In mir kam ein Gedanke, das Anne eventuell bei Benno sein könnte. Doch auch das konnte mir meinen Tag nicht verderben. Ich stand auf und ging ins Bad um mich fertig zu machen. Erst nachdem ich das getan hatte, warf ich einen Blick auf die Uhr. Es war gerade erst mal sieben. Um sieben aufstehen? Am Wochenende? So was gab es bei mir doch nicht. Ich beschloss eine Runde Fussball spielen zu gehen. Was sollte man sonst Samstag morgen so früh machen? Wir hatten uns ausgemacht gegen elf zu Maxi zu gehen und bis dahin war noch einige Zeit.
So wachte ich Samstagsmorgen auf und lief durchs Dorf zum Sportplatz. Als ich dort war, bemerkte ich das ich den Fussball vergessen hatte. So ein Mist auch. Jetzt konnte ich wieder zurück gehen. Vor Wut trat ich ins Gras. Ein Stück des Rasens flog in die Luft. Darunter befand sich ein Loch in den ein Fussball versteckt war. Aber es war nicht irgendein Fussball. Es war Bennos Fussball. Das erkannte ich, weil Benno seinen Ball einmal Metallicrot gesprüht hatte.
Ich überlegte nicht lange und schon nahm ich den Ball und schoss ins leere Tor. Es erklang das bekannte 'pling' und ich war zufrieden sehr sogar.
Wie lange ich gespielt habe, wusste ich nicht. Aber ich wette, ich bräuchte bestimmt eine Stunde um das Versteck von Bennos Ball wieder zu finden. Eigentlich hätte ich ihn den Ball "ausleihen" können, aber ich dachte es wäre sinnvoller ihn dort zu behalten. Nachdem Fussballspiel lief ich wieder zurück ins Internat.
Als erstes begegnete ich Elias. Ich sah ihn und schaute sofort weg. Der hatte mir geade noch gefehlt. Einen auf Kavalier machen und dann Bennos dumme Streiche mitmachen. "Hey Paula", begrüßte mich Elias, der stehen blieb. "Morgen", antwortete ich ein wenig hilflos. Was hätte ich tun sollen? Vielleicht wäre einfach weitergehen besser gewesen. "Wieso bist du denn nicht essen mit Lotte, Anne und Ena", fragte Elias. "Weil...ach ist doch egal oder." "Naja ich glaube sie suchen dich. Scheinst heute morgen es ja auch eilig gehabt zu haben." "Hast du mich gesehen", fragte ich. "Ähm... also ja." "Hast du mich beobachtet", fragte ich. "Nein, natürlich nicht. Ich hab es halt zufällig gesehen." "Morgens um sieben? Am Wochenende." "Ich bin halt wach geworden und habe aus dem Fenster raus geguckt. Was machst du Samstag morgens so früh draußen." "Bin ich jetzt im Verhör...." "Hallo Paula", hörte ich eine zweite Stimme. Der Person der die Stimme gehörte war auch nicht gerade anhänger der Liste: "Mit denen will ich Samstagmorgens unbedingt noch reden bevor ich zu Maxi gehe." "Morgen Tom", sagte ich. "Sorry, das ich einfach so abgehauen bin als ich bei euch saß, kleine", sagte er. "Ich bin nicht klein." Langsam wurde mir das hier echt zu dumm. "Ich kann doch sicher trotzdem mit dir reden, oder." Wow, er gab mir endlich die Chance zu sagen: Lass mich in Ruhe. "Jungs folgendes: Elias, was ich mache ist vollkommen egal. Schön das du mich begrüßt hast, aber ich habe noch etwas anderes zu erledigen. Zu dir Tom: Lass mich in RUHE!!! Suche dir Freunde, die du nerven kannst, aber bitte bitte: nicht mich!" Ich holte Luft, drehte mich um und ging. Wieso war auf einmal alles so anders. Alles so schrecklich hier. Mein Bruder nervte bis zum Ende, Elias suchte meine Nähe(und will lieber nicht darüber nachdenken wieso), dieses verdammte Teegefühl fing an Dauergast in meinen Bauch zu werden, Max hing die ganze Zeit in unseren Zimmer ab, Ena musste in unseren Zimmer wohnen, Anne war mal wieder unendlich und für immer in Benno verschossen, Maxi war krank, Gustav gab sich mit Idioten ab und Tom ging mir total auf die Nerven.

26.7.08 23:47, kommentieren

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3. Einmal TTT, immer TTT

Unser Jahrgang hatte gegen circa um neun Lichtschluss, das Mia gegen neun alle Zimmer abklapperte die Lichtschluss haben sollten. Lichtschluss heißt nichts anders als dass, das Licht um eine Gewisse Zeit aus sein soll und man noch sehr leise tuscheln darf. Wenn alles leise war, setzte sie sich meist in einen der zwei Gemeinschaftsräume im Schloss um sich mit den anderen zu unterhalten, über die Probleme der jeweiligen Schüler oder um sich selbst auszuruhen. Unsere Schule hatte ein Aufgabensystem. Ab einer bestimmten Klasse musste man bestimmte Aufgaben erledigen. Zum Beispiel musste man ab der elften Klasse eine Schlafaufsicht machen. Das hieß das man, wenn man Aufsicht hatte, sich in einen der Gänge, wo Schüler bis zur Klasse zehn wohnten, hinsetzte und wenn es irgendwo zu laut wurde, man an die Tür klopfte und Verwarnungen und manchmal sogar Strafen aussprach. Man musste solange in den Gang verbringen bis die Nachtzeit der nächstgrößeren Klasse angebrochen war. Wenn aber jemand zu dieser Zeit immer noch wach war, wurde Mia geholt, die es dann regelte. An unseren „Arbeitsbrett“ stand immer aus, wer wann seine Arbeit hat. Normal war es so, das die Mädchen im Mädchenflur wachten und die Jungs im Jungenflur. Gelegentlich kam es aber vor, das irgendjemand mit der Zeit unzufrieden war oder krank oder sonst etwas hatte, was ihn dazu brachte die Wache mit jemand anderen zu tauschen. Heute Nacht war so ein Tag. Irgendjemand hatte mit Gustav getauscht und nun sollte er, wenn es so weit war, Wache in unseren Flur halten. Das konnte nur gutes bedeuten, denn schließlich konnten wir erstens laut sein, ohne das jemand Mia holte und Maxi konnte hier übernachten ohne das wir sehr vorsichtig sein mussten, da Gustav uns sicher nicht verpetzen würde. Darauf freuten wir uns schon den ganzen Tag. Anne bezog gerade ihr Bett als es uns wieder einfiel. Lotte, die sich gerade in ihre Bettdecke gekuschelt hatte, schreckte hoch. "Was ist denn los", fragte Maxi. "Gustav hat doch heute Abend Aufsicht, oder?" "Du hast recht", bestätigte ich ihre Aussage, "Das heißt also so etwas wie Narrenfreiheit. Danke Lotte. Wenn du es nicht gesagt hättest, hätte ich es vergessen." Lotte wälzte sich aus ihren Bett und grinste. "Dafür hast du ja mich." Dann stand sie auf und zerrte ihre Matratze nach unten. "Ich schlafe auch mit auf dem Boden. So bist du nicht allein unten", sagte sie freundlich. Typisch Lotte. "Noch jemand", fragte Maxi. "Wäre für mehr noch Platz", fragte ich. "Na ja für eine Person schon noch. Willst du", antwortete Anne. "Ich lass dir den vortritt." Ich hätte wirklich gerne dort unten, weit weg von Ena geschlafen, doch ich war den ganzen Tag total unfair zu meinen Freundinnen. All die Wut, die ich auf Ena hatte, hatte ich an meinen Freundinnen ausgelassen und dabei war ich nicht gerade nett zu ihnen gewesen. "Schlaf du unten." Anne nickte: "Ok, ich gehe dann mal ins Bad. Will jemand mit?" "Ich komme nach. Muss noch mein Zeug zusammen suchen", meinte ich. Anne ging schon mal während ich noch mein Waschzeug suchen musste. Es dauerte ein bisschen, aber ich schaffte es. Dann ging ich ins Bad. Anne war gerade unter der Dusche. Ich stellte mich vor einen Spiegel und schaute mich an. Heute morgen noch freute ich mich noch aufs Internat, doch jetzt wünschte ich mich wieder zurück. Am liebsten wäre ich noch vor der Ferien. Dann wäre alles nicht passiert: Benno hätte nicht so ein Theater gemacht wegen seines Handys, Ena wäre noch nicht da und Elias würde sich nicht einbilden, das ich mehr als nur eine gute Freundin wäre. Es wäre noch alles normal. Ich fragte mich ob man die Zukunft verändern könnte, wenn man wisse was passieren würde. Ich schaute noch einmal in den Spiegel: Ich sah mich. Für einen Moment dachte ich, das ich mich verändert hatte, doch dann schüttelte ich meinen Kopf und ging unter die Dusche. Ich duschte recht lange, weil es sich einfach gut anfühlte an diesen kalten Tagen das warme Wasser auf der Haut zu spüren. Es war zwar nicht mit einen warmen Bad zu vergleichen, aber immerhin half es auch. Als ich das Wasser abstellte, hörte ich zwei Personen sich unterhalten. Es war nicht meine Art zu lauschen, aber da ich Annes und Enas Stimme erkannte, hätte ich nicht gedacht das es sich um ein Gespräch handeln würde, was nicht für alle Ohren bestimmt war. "Sag mal was ist eigentlich mit Tom und dir?" "Nichts", antwortete Ena. „Ach komm. Sag bloß er hätte deinen Namen erraten. Klar kennt er dich. Ich will bloß wissen woher.“ Ena schwieg. Ich spürte die Spannung im Raum. „Er ging auf meine Schule. Er und ich konnten uns nicht leiden. Wir gingen uns gegenseitig aus den Weg bis zu dem Tag als ich mich mit Max anfreundete. Na ja seit dem kennen wir uns “, meinte Ena entschlossen. „Also hattet ihr nichts mit einander?“ Ena stöhnte. „Natürlich nicht. Ich will ihn gar nicht kennen. Mir wäre das liebste wenn der Idiot mich gar nicht ansprechen würde. Er soll mich nur in Ruhe lassen.“ Dann hörte ich die Tür knallen. Ich nahm mein Handtuch und trocknete mich ab. Danach ging ich zu Anne, die immer noch vor dem Spiegle stand. „Ärger“, fragte ich. Anne schüttelte ihren Kopf. Ich blickte noch einmal zu ihr. Sie schien in Gedanken versunken zu sein. „Ich gehe dann schon mal“, meinte ich. Dieses ewige Danebenstehen ohne etwas zu machen, fühlte sich so an als wäre ich überflüssige. Deswegen ging ich wieder in mein Zimmer. „Hey Schwester“, begrüßte mich Gustav fröhlich. „Na Bruderherz, Aufsicht?“ Gustav nickte und erwiderte: „Noch jemand im Bad?“ Ich musste mein Lachen unterdrücken. „Anne braucht noch eine Weile. Sie muss doch noch ihren wasserfesten Lidschatten abmachen. Du weißt morgens braucht sie eine Stunde im Bad. Abends dagegen Stunden.“ „Deine Anne? Also nicht melden.“ „Wäre besser. Danke Bruderherz.“ Ich lächelte ihn noch einmal an und wollte schon wieder in mein Zimmer als er mir einen Fünfer in die Hand drückte. „Schulden sind jetzt abbezahlt, oder?“ Ich nickte und konnte endlich in mein Zimmer verschwinden. Dort lieferten sich Maxi und Lotte gerade eine Kissenschlacht. Ich hatte kaum die Tür geöffnet, da bekam ich schon drei Kissen an den Kopf geworfen. Schon war ich mitten in der Kissenschlacht. Wir hörten erst auf als Anne das Zimmer betrat. „Wo ist denn Ena“, fragte sie scheinheilig, „Es ist doch schon nach neun.“ Wir zuckten mit den Schultern. Mir war gar nicht aufgefallen, das Ena fehlte. Wo sollte sie hin gelaufen sein? Es war nach neun und sicher wusste Ena das mittlerweile für uns Lichtschluss war. Ich probierte nicht Anne Enas Fehlen in die Schuhe zu schieben. „Über was habt ihr denn vorhin geredet im Bad“, fragte ich und versuchte es ganz unauffällig klingen zu lassen. „Über Tom. Ich finde es schon komisch, das er sie vorhin im Eiscafe gegrüßt hat. Und wieso hängt Gustav neuerdings mit Tom rum?“ „Anne beruhig dich mal bitte. Irgendwann wird sie uns antworten auf deine Fragen. Doch momentan müssen wir uns erst mal anfreunden. Sie ist neu und wird uns sicher nicht von heute auf morgen ihre größten Geheimnisse verraten“, sagte Lotte. „Anfreunden“, fragte ich einen Tick zu laut. Ich wettete das Gustav sich sehr zusammen reißen musste um uns beziehungsweise mich nicht zu melden. „Ich möchte mich nicht mit ihr anfreunden“, sagte ich. An den Gesichtern der anderen konnte ich erkennen, das ich das Thema lieber wechseln sollte. Ich dachte nach, aber mir fiel nichts interessantes ein. Eine Weile stand ich einfach so da und überlegte. Irgendeine Erinnerung flog durch meinen Kopf. Ich erinnerte mich an Bennos und meinen letzten Geburtstags. „Ja, klar“, murmelte ich vor mich hin. „Hör doch mal auf Ena zu beschimpfen“, ermahnte mich Maxi. „Ich meckere gar nicht. Mir ist nur was eingefallen: Benno schreibt Tagebuch. Wir haben letztes Jahr zu unseren Geburtstag beide ein Tagebuch von unserer Großtante geschenkt bekommen. Ich hab es in die hinterste Ecke meines Schrankes geworfen, aber Benno hatte mal erwähnt, das er es benutzen würde.“ „Klasse Idee“, lobte mich Anne. „Ich bin dabei, aber nur wenn wir mal lesen ob er was über mich schreibt.“ Ich grinste sie an: „Na klar.“ Wir lachten uns an. „Aber Benno will doch Frieden schließen“, unterbrach uns Lotte, „Das heißt keine Streiche mehr.“ „Quatsch! Hast du nicht gesehen wie mein Bruder vorhin fast an seinen Worten erstickt ist. Der will nie und nimmer Frieden. Die TTTs wollen uns heute nur einen Streich spielen. Wetten?“ „TTT? Du sprichst in Rätseln.“ „Lotte, du hast mich doch auf dem Namen gebracht. Ich weiß auch nicht wieso, aber der Name gefällt mir für die fünf Affen. TTT heißt Toilettentieftaucher. Eigentlich sind Toilettentieftaucher immer, die Personen die man Kopf über in eine Toilette steckt um sie zu ärgern, aber der Name passt irgendwie zu ihnen. Außerdem hatte das doch irgendeiner mal mit ihnen gemacht als wir noch fünfte Klasse waren.“ "Also ich finde den Namen toll. Der passt wirklich zu denen. Ich wäre dafür das wir sie nur noch TTT oder Toilettentieftaucher nennen. So wissen sie wenigstens nicht, wenn wir über sie reden", sagte Maxi. Alle waren mit ihren Vorschlag einverstanden. "Und was machen wir nun", fragte ich. "Wie wäre es mit aufräumen? Die Kissenschlacht hat ihre Spuren hinterlassen." Anne grinste und nahm ein Kissen um es nach Lotte zu werfen. Diese duckte sich und Maxi, die hinter ihr saß, bekam es volle Kanne ins Gesicht. Aber Maxi warf das Kissen nicht zurück. "Ich finde wir sollten Ena suchen", meinte sie. "Sie wird schon zu recht kommen. Sie ist alt genug", erwiderte ich. Vorhin noch haben mich alle Blicke getötet dafür das ich über Ena gesprochen habe und jetzt verdarb Maxi die Stimmung. Gerade wollte jemand seine Meinung dazu äußern als es an der Tür klopfte. "Mädels, ich bin es: Gustav" drang die Stimme meines Bruders durch die Tür. "Was ist denn los", fragte Lotte zurück. "Kann ich rein kommen?" Ich schaute zu den anderen. "Wir ziehen nur schnell unsere Bademäntel an, Bruder." Und genau das taten wir auch. Wir zogen schnell unsere Bademäntel an. Bloß Maxi verkroch sich unter ihrer Decke. An einen Bademantel hatten wir bei ihren Sachen packen nicht gedacht gehabt. "Kannst rein kommen", rief Lotte als sie endlich fertig war. Sie hatte ihren Bademantel erst noch suchen müssen.
Gustav öffnete die Tür. "Na ihr", fragte er, wobei er versuchte fröhlich zu klingen, "Erst mal muss ich euch ermahnen leise zu sein." Mit diesen Worten schloss er die Tür und ging auf mein Bett zu um sich fallen zu lassen. "Ist es bequem? Brauchst du vielleicht noch irgendwas oder ist es gemütlich genug", meinte ich ironisch. "Na ja wenn du mir meinen Rücken massieren würdest, wäre ich glücklich, aber nur wenn du möchtest." Ich verdrehte die Augen und gab meinen Bruder eine kleinen leichten Schubs. "Wegen was bist du denn hier", fragte Lotte. Die Sorgen waren ihr ins Gesicht geschrieben. Jeder in diesen Raum wusste, das es nichts gutes heißes konnte, wenn Gustav seinen Posten draußen im Gang verließ um zu uns zu kommen um über etwas zu sprechen. "Wo ist Ena", fragte Gustav ganz direkt nach. Wir schauten uns an. "Ist Ok, wenn ihr es nicht verraten wollt, weil ihr Freundinnen seit. Aber..." "Wir sind keine Freundinnen", unterbrach ich ihn. Maxi sah mich genervt an und Gustav schaute verwundert drein. "Ok. Dann wollt ihr es nicht sagen, weil irgendwas anderes ist. Ich sage euch eins. Mia wird nachher noch bei euch ins Zimmer gucken um zu sehen ob ihr auch nett zu Ena gewesen seit und wenn sie dann immer noch fehlt bin nicht nur ich sondern auch ihr in Gefahr. Also sucht sie und bringt sie hier her. Und ich glaube dafür reicht euch nur eine knappe drei viertel Stunde." Gustav sah uns an. Eigentlich wollte ich zwischendurch einwerfen das wir nicht wissen wo Ena ist, doch ich verkniff es mir. Maxi und ich hatten uns seit Ena hier war fast nur gestritten. Ich hatte keine Lust darauf Ena zu suchen.
"Viel Spaß noch. Bitte sucht sie", sagte Gustav. Danach verließ er unser Zimmer. "Was machen wir jetzt", fragte Anne. "Hat jemand einen Plan. Anne hat ja recht. Maxi dir fällt doch immer etwas ein." "Wieso sollte mir was einfallen? Falls es euch noch nicht aufgefallen ist, wir können nichts machen. Ein Plan bräuchten wir, aber es würde nichts nützen. Vielleicht würde uns Gustav erlauben trotz Lichtschluss noch mal raus zu gehen, aber spätestens, wenn uns eine andere Aufsichtsperson oder Mia findet, ist die Hölle heiß." "Mia hat recht", warf ich ein. "Gibt es doch zu, Paula. Dir wäre es lieber, wenn Ena nicht noch mal auftaucht und deswegen brauchst du nichts sagen", sagte Maxi. Das konnte unmöglich meine Maxi sein. Meine Maxi würde nicht so schlecht mit mir sein. "Ich habe eine Plan und ich werde Ena helfen anstatt wie du einfach nur dazusitzen und nichts zu machen", erwiderte ich vorlaut. "Welchen denn", fragte Lotte mit sehr viel Hoffnung in ihrer Stimme. "Max", rutschte es Anne raus. Lotte, Maxi und ich sahen Anne ratlos an. "Ist doch voll kommen klar", erklärte Anne uns, "Ena und Max sind Freunde. Bei uns fühlt sie sich irgendwie ausgeschlossen und nach meinen kleinen Streit mit ihr vorhin, ist sie bestimmt zu ihn gegangen. Er wird wissen wo sie ist und wenn wir Glück haben, dann ist sie sogar bei ihm im Zimmer und von dort kriegen wir sie locker hier her." "Das wollte ich auch gerade vorschlagen", setzte ich noch schnell hinterher. Maxi schaute ungläubig. "Tolle Idee. Jetzt muss nur noch jemand Max eine SMS schreiben ob Ena bei ihnen ist oder ob er weiß wo sie ist", fügte Lotte hinzu. "Wer hat die Nummer von Max", fragte ich. Alle schüttelten den Kopf. "Von einen anderen TTT." Wieder Kopfschütteln. Das war eigentlich klar. Benno hatte vor langer Zeit zu seinen Affen gesagt, das sie uns ja nicht ihre Handynummern geben sollten, wenn sie ein Handy besaßen. Leo und Basti hatten nämlich kein Handy. Es würden also nur noch Benno, Elias und Max möglich sein uns ihre Handynummern zu verweigern. Elias und Max wollten ihre Freundschaft zu Benno nicht wegen uns zerstören und deswegen hielten sie ihren Schwur. Benno konnte bei sowas echt erbarmungslos sinnlos sein.
"Dann können wir den Plan kippen", meine Maxi. "Stop", rief ich plötzlich. Elias hatte mir seine Handynummer gegeben. Er hatte sich endlich mal über eins von Bennos total blöden Verbote hinweg gesetzt. "Ich hab die Nummer von Elias", sagte ich ganz leise. Leider immer noch zu laut. "Von Elias", wiederholte Lotte verblufft. "Irgendwann erklär ich es euch, aber jetzt schreib ich ihn erst mal." Ich wollte nicht das die anderen erfahren was im Wald passiert ist zwischen mir und Elias. Eigentlich nichts, aber wieso bekam ich in seiner Nähe immer dieses Teegefühl im Bauch? Ich wendete mich der SMS zu. Kurz überlegte ich was ich schreiben sollte. Dann tippte ich: "Hey Elias, Ena ist weg und Max könnte wissen wo sie ist. Kannst du ihn bitte, bitte mal fragen. ssz" Dann schickte ich sie ab. Wir sahen uns schweigend an. Ich weiß nicht mehr wie lange es dauerte bis Elias zurück schrieb. Er war unsere letzte Hoffnung und dieser Gedanke machte warten unerträglich lang. Was wäre, wenn Max es nicht wissen würde? Was würden wir dann machen? Würde sie noch rechtzeitig wiederkommen oder würde das mit Maxi auffliegen und wir doppelt Ärger kriegen. Es klingelte ein Handy. Eine Weile standen wir nur da und warteten darauf, das jemand die Stille unterbrach. „Paula, das ist deins“, sagte Maxi. Ich ging auf mein Handy zu. Mittlerweile hatten wir nur noch etwas über einer halben Stunde Zeit. Ich nahm das Handy in die Hand. Zitternd öffnete ich die SMS. "Sie ist bei uns." Erleichtert atmete ich auf. Dann wandte ich mich zu den anderen und sagte: "Sie ist bei den Jungs." "Schlecht", sagte Maxi. "Wieso", fragte Anne. "Ist doch total klar. Wir müssen in den Jungenflur. Dort ist auch ein Aufpasser. Wie sollen wir an ihm vorbei kommen", fragte Lotte. "Auf jeden Fall müssen, welche hier bleiben. Für den Fall, das wir vorher von Mia besucht werden." "Wie machen wir das?" "Ich bin auch der Meinung, das wir nicht alle dahin sollen. Ich denke zwei sollten reichen", meinte ich. "Ist doch klar, das du nicht mit willst. Ich finde, aber das gerade du und Anne dahin gehen solltest", sagte Maxi. "Wieso ich?" "Ena ist zu Max, weil sie befreundet sind. Bei uns im Zimmer hat sie zwar Maxi, aber wenn sie von uns die ganze Zeit dumme Kommentare hört, ist es klar das sie nicht wieder zu uns will. Wenn Paula und Anne sie holen gehen und ihr euch entschuldigt, dann wird sicher mit kommen. Also gehen Anne und Paula", erklärte Lotte. "Und wie sollen Paula und ich das machen?" Lotte lächelte. "Das lasst Maxi und mich regeln. Ihr wartet hier fünf Minuten und dann geht ihr." Lotte nahm Maxis Arm und zerrte sie raus. "Nun bleibt uns nichts anderes übrig", sagte Anne. "Na meinetwegen. Hauptsache wir bringen, das schnell hinter uns", antwortete ich. Anne und ich warteten die fünf Minuten, wobei uns jede Sekunde so vorkam als würde sie ewig dauern. Während dieser Zeit schwiegen wir uns an. Ich hätte mich gerne mit Anne unterhalten, aber der Streit mit Maxi lag mir im Magen. Ich dachte immer, das nichts und niemand Maxi und mich auseinander bringen kann. Und nun sollte ich dieses nichts und niemand retten. Obwohl ich mit der Aktion vielleicht auch eher mich rettete als sie. "Es ist so weit", holte mich Anne aus meinen Gedanken zurück. Ich nickte. Was hätte ich sonst machen sollen? Ich folgte Anne aus dem Zimmer. Gustav war verschunden. Eigentlich hätte mich das wundern müssen, doch ich war, genauso wie Anne, damit beschäftigt darauf aufzupassen, das uns keiner sieht und das wir leise blieben. Wir verließen unseren Flur, um dann gegenüber in den Jungenflur zu gehen. Komischerweise war im Flur auch kein Aufpasser, der die Einhaltung des Lichtschlusses nachprüfte. Anne und ich mussten bis ans Ende des Flures. An der letzten Tür blieben wir stehen. "Ich hab mir geschworen mich lieber lebendig begraben zu lassen als je einen Fuß in dieses Zimmer zu tun", flüsterte ich zu Anne. "Du musst nicht mit rein. Ich hole sie auch alleine daraus", flüsterte Anne zurück. Ich dachte einen Moment an Maxi. Sie würde mich jetzt mit hinein schleifen. "Bleib hier draußen. Ich mach...", fing Anne an zu flüstern. "Hörst du das? Da komm jemand die Treppe hoch." Ich erstarrte und lauschte. Tatsächlich hörte man jemanden die Treppe hoch lief. Ich antwortete: "Ok. Lass uns gehen." Anne nickte und klopfte leise an der Tür. Die Tür ging einen Spalt auf und dann wieder zu. Drinnen hörte man Stimmen, dann öffnete sich die Tür wieder. "Kommt rein", begrüßte uns Elias sehr leise. Anne ging schnell in den Raum. Ich stand noch davor und atmete tief ein. Wollte ich wirklich dahinein? Wollen tat ich es nicht, aber ich musste. Ich folgte Anne ins innere des Raumes. Elias schloss die Tür hinter mir. Drinnen war es dunkel. "Macht ihr mal das Licht an", fragte Anne nett. "Geht leider nicht, weil man das sonst draußen sieht. Das würde Mia checken und hoch kommen und wenn sie uns alle hier sehen würde, gebe das ziemlich viel Ärger", antworte Benno. "Komm Ena wir gehen, dann müssen die Jungs nicht solche Angst haben", sagte ich. Etwas bewegte sich. Ich nahm an es wäre Ena. Ich nahm den Arm und wollte sie mitzerren, doch stattdessen vernahm ich Elias' Worte: "Paula? Kannst du mich loslassen?" Obwohl man nichts sah, merkte ich die Blicke der anderen, die mich durch bohrten. Ich lief Rot an, doch zum glück sah das niemand, da es dunkel war. "Seit nett zu Ena", meinte Benno. Ich spürte das Anne sich auf die Lippen biss. "Danke für eure Gastfreundlichkeit, aber ich hätte einfach nicht überreagieren sollen, dann wären wir nicht hier. Es war heute einfach alles zu viel für mich", meinte Ena entschuldigend. "Lasst uns gehen", sagte ich versöhnlich. Anne und Ena stimmten ein. Elias öffnete uns die Tür. Er streckte seinen Kopf raus und schickte uns dann raus. "Die Luft ist rein. Dann.... schlaft schön." Ich ging als letzte raus in den Flur. Ich drehte mich noch einmal um. Ich konnte Elias' Gesicht nicht erkennen, doch ich wusste, das er mich anschaute. Ich ging weiter in den Flur. Elias schloss die Tür. Anne, die vor mir lief, blieb stehen. "Sorry, das ich vorhin so gemein war. Es geht mich nichts an. Freunde?" "Freunde", antworte Ena. Anne und Ena lächelten sich an. Wir wollten weiter gehen, doch dann verging uns das Lächeln. "Schönen guten Abend die Damen", sagte Mia freundlich. "Hallo Mia", entgegnete Anne genauso freundlich. "Euch hätte ich hier nicht erwartet. Zumindest hätte eurer Plan geklappt, wenn ihr nicht versucht hättet ganz leise zu sein. Hier ist es nie leise." Wir bissen uns auf die Lippen. Wie konnte es nur sein, das wir knapp vor den Ziel, doch noch geschnappt wurden. "Mädels, sagt es mir ehrlich. Was habt ihr hier verloren?" Anne und ich schauten uns an. Wir zwei hatten hier wirklich nicht viel verloren. Ena könnte, wenn sie sich dumm stellen würde, behaupten, das sie es nicht gewusst hatte und deswegen hier rum lief. Anne und ich konnten hier nicht so leicht rauskommen. "Mia, wir...", begann ich, doch ich wurde von Ena unterbrochen. "Sie...ähm du musst sie entschuldigen. Ich musste nichts von den Lichtschluss und war noch bei den Jungs. Sie, ich meine doch, du weißt es vielleicht nicht, aber Max kenne ich von früher. Ich war bei ihm und wir haben uns unterhalten und die Zeit vergessen. Irgendwann haben mir die Jungs von den Lichtschluss erzählt und da wusste ich nicht wie ich wieder zurück kommen sollte. Da haben die Jungs, Paula und Anne gerufen um mich zu holen, damit ich keinen Ärger kriege. Na ja und alles ist meine Schuld." Mia schaute uns prüfend an. Sie überlegte ob sie glauben konnte was Ena ihr erzählte. "Also gut, dann geht jetzt mal wieder in eurer Zimmer." Wir atmeten aus. Durch Ena wurden wir gerettet.
Mia brachte uns bis zu unserer Tür. Gustav sah einbisschen verwirrt aus, spielte aber ,ohne von Enas kleiner Geschichte zu wissen, gut mit. Im Zimmer konnten wir dann endlich unsere Gedanken fassen. "Danke Ena, das du uns gerettet hast. Und wegen vorhin: Tut mir Leid, wollte ich nicht", entschuldigte sich Anne. Sie umarmten sich. Nun waren alle Augen auf mich gerichtet. Ich atmete tief durch und ging dann auf Ena zu. "Sorry, das ich so gemein zu dir war. Danke wegen eben", sagte ich. Ena lächelte mich an. "Ist schon Ok. Ich hätte mich nicht anders verhalten, wenn eine Neue in meinen Freundeskreis hinzugestoßen wäre." Wir lachten. Dann schauten wir zu Lotte und Maxi. "Und wie habt ihr euren Plan geschafft", fragte Anne. Lotte und Maxi grinsten. "Nehmt es uns nicht übel, aber das bleibt ein kleines Geheimnis", sagte Maxi. Lotte musste kichern. "Apro pro Geheimnis. Paula, wieso hast du die Handynummer von Elias", fragte Maxi. "Weil... ich... er... er hat sie mir gegeben. Woher soll ich wissen, wieso er mir unbedingt seine Nummer geben wollte", sagte ich genervt. Ich wollte den anderen nicht von dem erzählen, was im Park zwischen Elias und mir vorgefallen war. Ich wollte mir keine Witze über Elias' Verhalten anhören. Und was ich ganz besonders nicht wollte, waren irgendwelche Sprüche wie "Paula und Elias, das perfekte neue Traumpaar." Wir waren Freundinnen und für einander da in guten wie in schlechten Zeiten. Doch manchmal ärgerten wir uns und zogen uns gegenseitig mit etwas auf. Und genau auf das hatte ich momentan keine Lust.
"Na ja ist auch egal", meinte Lotte. Sie hatte erkannt, das ich keine Lust hatte darüber weiterreden. "Was machen wir nachher?" "Gute Frage, Lotte", sagte Anne. "Ich hab es euch doch schon gesagt. Die Jungs wollen uns nur einen Streich spielen." "Paula hat Recht. Wir sollten es lieber lassen, denn wir haben für heute schon genug aufsehen erregt. Wie wäre es mit schlafen?" "Komm Maxi, du wolltest doch schließlich unbedingt zu den Jungs", beschwerte sich Lotte. "Nee Leute. Ich bin jetzt so müde, das ich echt keine Lust habe, dahin zu gehen. Lasst uns schlafen", schlug Maxi erneut vor. Alle waren einverstanden. Maxi, Lotte und Anne legten sich auf die Matratzen beziehungsweise auf die Luftmatratze, die ja auf den Boden lagen. Keine fünf Minuten später hörte ich sie schon um die Wette schnarchen. Ich dagegen konnte nicht schlafen. Mir ging der ganze Tag durch den Kopf. Ich drehte mich von links nach rechts und von rechts nach links. Dann legte ich mich auf den Rücken, um mich kurze Zeit später auf den Bauch zu legen und zwischendurch rollte ich mich immer wieder auf die Seiten. "Kannst du auch nicht schlafen", fragte Ena. Das sie noch wach war, wusste ich nicht. "Mhm", antwortete ich. "Sag mir welches Problem du mit mir hast, bitte." Ich überlegte was ich ihr sagen sollte. "Alles dreht sich um dich. Maxi redet nur von dir. Anne und Lotte wollen auch die ganze Zeit nett zu dir sein und mit dir reden. Das geht einen echt auf die Nerven." "Ich will dir deine Freundinnen nicht wegnehmen. Es ist doch nur das ich irgendwie Anschluss finden will. Maxi und Max sind die einzigen die ich hier kenne." "Und Tom", fragte ich. Ena war ja ganz nett und so, aber Annes Neugier wegen Tom hatte mich angesteckt und deswegen wollte ich mal nachfragen. "Tom zählt nicht oder sag mir das du ihn leiden kannst." "Hast ja Recht. Ich glaube ja gar nicht das du mir meine Freundinnen wegnehmen willst. Es ist nur das meine Maxi aufeinmal so komisch zu mir ist." Es war eine Weile still. Ich dachte schon das Ena eingeschlafen wäre, aber dann antwortete sie doch: "Maxi hat zwei Welten. In der einen Welt bist du ihre allerbeste Freundin. In der anderen Welt existiere ich als eine gute Freundin von ihr. Jetzt sind die zwei Welten zu einer Welt zusammen geschmolzen. Sie kann sich nicht entscheiden wie sich uns gegenüber verhalten soll. Sie hat ihre Schwester nur aus einen Grund gebeten, das du meine Patin wirst. Nämlich das wir uns gut verstehen und sie sich um uns gleich kümmern kann." Mir tat Maxi leid. Von ihrer Seite aus, hatte ich die Geschichte noch nicht gesehen. Sie musste sich zwischen uns entscheiden. Doch wieso fiel ihr die Entscheidung so schwer? Wieso hatte sie sich nicht von Anfang an für mich entschieden. ICH war ihre beste Freundin. "Wir können uns doch nun verstehen. Oder gibt es noch was, was dagegen spricht?" Ich schloss meine Augen. Unter diesen Bedingungen war Ena immer noch meine Feindin. Maxi sollte sich für mich entscheiden. Für mich. Sie sollte nicht darauf warten, das wir uns vertragen und sie keine Entscheidung fällen muss. Und genau deshalb war es momentan unmöglich mich mit Ena anzufreunden. "Ja, es gibt noch etwas was dagegen spricht. Du! Du gehst mir einfach nur auf die Nerven. Lass mich in Ruhe. Such dir am besten ein neues Zimmer, sonst mache ich dir die Zeit hier zu schlimmsten deines Lebens." Ena sagte nichts. Vielleicht schlief sie schon. Vielleicht wäre es gut, wenn sie schon schlafen würde. Eins aber stände trotzdem fest, ich hatte ihr den Krieg erklärt.
Es fühlte sich so an als ich hätte ich gar nicht schlafen als Maxi mich wach rüttelte. Es war dunkel. „Schon Zeit für die Schule“, fragte ich gähnend. „Nein, aber zehn Minuten vor Mitternacht. Wir haben uns vorhin doch noch dafür entschieden, das wir zu den Jungs gehen. Kommst du mit“, erzählte mir Maxi. Auf einmal war ich putzmunter. „Klar, komme ich da mit!“ Obwohl ich total dagegen war, wollte ich mit, denn das war meine Chance Maxi zu zeigen, das ihre beste Freundin war.
"Nehmen wir Ena mit", fragte Lotte. Mir stockte der Atem. "Quatsch. Die Ärmste hat schon genung Ärger bekommen. Lasst uns alleine gehen", entgegnete Maxi. Man war ich froh, dass sie das sagte. Ich zog mir meinen Bademantel über und folgte dann den anderen. Vor der Tür standen wir ganz leise. "Meinst du das Mia schon schläft", fragte Lotte. "Sicher", meinte Anne, "Lasst uns los gehen." Maxi ging vorne weg und wir anderen drei folgten ihr. Ich war auch gar nicht mehr sauer, das Maxi unbedingt zu den TTTs wollte, schließlich unternahmen wir jetzt etwas zusammen ohne Ena.
Wir blieben vor der Tür des Jungenzimmers stehen. "Drei Minuten vor Mitternacht. Wie wärs, wenn wir lauschen was die darinnen bereden", fragte Maxi. "Ja",flüsterte ich zurück. Ich konnte immernoch nicht glauben, dass die Jungs Frieden schließen wollten. Gerade hatten Maxi und ich uns gegen die Tür gelehnt, als diese geöffnet wurde. Wir beide verloren den Halt und fielen zur Tür herein. Nur ganz knapp konnten wir einen Schrei unterdrücken. "Lauschen ist, aber nicht sehr nett, wenn wir euch so ein tolles Angebot machen, oder", flüsterte Leo. Er grinste. "Ihr könnt rein gehen, ich gehe jetzt noch mal ins Bad und dann bin ich wieder da." Anne, Lotte, Maxi und ich wechselten Blicke, gingen dann aber doch rein. "Ihr fliegt von der Schule", begrüßte Lotte die TTTs. "Wie hätten wir sonst Licht machen sollen ohne das es jemand bemerkt", erwiderte Benno. "Na auf jeden Fall würden wir keine Teelichter auf den Boden in Herzform aufstellen", antwortete ich. Benno schaute auf den Boden und dann wieder hoch. "Alles gute zum Valentinstag, Anne. Und sorry wegen gestern. Es ist ja schon nach Mitternacht", meinte Benno liebevoll. Und dann schaute Benno Anne auch noch total kitschig an. "Benno beeil dich doch mal"; sagte Basti, das eindeutig letzte Mitglied von Bennos Kindergarten. Ihm hatte ich noch gar nicht bemerkt. "Was ist denn mit dir passiert", fragte Lotte. "Kleiner Unfall", murmelte Basti. Jetzt erst sah ich, das Bastis rechter Fuß in Gips war. Kein Wunder das Basti auf seinen Bett saß und neben ihm Krücken standen. "Was für ein Unfall", hakte Lotte nach. "Ein kleiner Unfall. Ist echt nichts weiter passiert", sagte Basti leicht genervt. Er redete nicht viel. Ich glaube manchmal kam er sich wie ein Kleinkind vor, schließlich wäre er eigentlich eine Klasse übr uns, aber er war sitzen geblieben. Seine Harre waren kurz und braun. Außerdem dachte Basti, das er einfach total cool wäre, was er nicht ist. Deshalb benimmt er sich meist wie der letzte Vollidiot und passt ganz gut zu Benno.
"Du brauchst ja nicht gleich Lotte anzufahren", erklärte Maxi. "Wir warten auf Leo", erwiderte Benno. "Ach Benno weißt du was. Entweder jetzt oder kannst uns mal. Wir haben heute schon zwei mal wegen euch Ärger bekommen. Ein drittes Mal bitte nicht." "Warte doch Paula. Ok, wir sagen es gleich." Ich starrte ihn erwartungsvoll an. Benno guckte noch einmal zu Anne: "Sorry, nimm es nicht persönlich Anne. Du wohnst eben mit meiner Schwester in einen Zimmer." In diesen Moment betrat Leo kichernd das Zimmer. "Dann kannst du ja endlich sagen, was die Bedingung für unserem Waffenstillstand sind", sagte Maxi. Benno grinste: "Wenn Schweine fliegen können, dann wird Waffenstillstand zwischen uns sein. Und wenn ihr jetzt nicht auf eurer Zimmer geht, dann rufen wir Mia.Tschau." Ich hatte es mir doch gedacht, das er das nicht ernst meinen könnte mit dem Frieden. Bloß wo war der Haken dabei? Er hatte uns mitten in der Nacht in sein Zimmer geholt und das wars? Naja mir sollte es recht sein.
Etwas verwirrt und müde verließen wir das Zimmer. "Anne", fragte Benno noch beim rausgehen. "Benno, das ist der falsche Zeitpunkt", hörten wir Basti noch vom Bett sagen, dann schloss Benno mit einen tränenden und einen lachenden Auge die Tür. "Komisch, oder", flüsterte Maxi mir zu. "Er wird immer seltsamer", entgegnete ich. Dann wollte Anne die Tür öffnenen. Sie drückte die Klinke runter, doch es tat sich nichts. "Wer hat abgeschlossen", fragte sie. "Keiner. Ich war die letzte die raus ist", sagte ich. "Aber die Tür schließt sich doch nicht von selbst ab, oder?" "Das waren die Jungs", antwortete Anne flüsternd. "Lasst uns erstmal auf Toilette gehen, sonst hört uns noch jemand", schlug Maxi vor. Als wir im Bad waren, musste sich Anne natürlich ersteinmal im Spiegel anschauen. "Anne wir haben dafür keine Zeit", sagte ich leicht genervt. Dann hörten wir die Toilletenspülung und aus einer der Toiletten kam Ena. "Was ist denn hier los", fragte sie ziemlich verschlafen. "Hast du abgeschlossen?", fragte Lotte. "Quatsch! Ich habe doch nicht einmal den Schlüssel", entgegnete Ena ihr. "Dann sitzen wir bis morgen früh hier fest! Die Jungs haben uns reingelegt und uns ausgesperrt! Hat jemand eine Idee?" "Wir wäre es....", fing Ena an. Rettete Ena uns heute etwa schon wieder? Wenn das so weiter gehen würde, würde ich spätestens morgen eine Krise kriegen. Aber naja, wenn sie die rettende Idee hatte, sollte es mir Recht sein.
Wir schauten sie alle gespannt an. "...wenn ihr mich erstmal meine Hände waschen lasst" ,beendete Ena ihren rettenden Satz. "Anne, hör doch endlich mal auf an deinen Haaren rum zu fummeln. Wieso trägst du eigentlich nachts eine Spange in deinem Haar?", sagte ich langsam echt genervt. "Ich hab´s", schrie Maxi aus, "Ich hab das mal in einem Film gesehn, dass man mit einer Haarspange eine Tür aufmachen kann. Lasst es uns probieren!" Wir folgten Maxi auf den Flur vor unser Zimmer. Anne gab ihr die Spange ohne Wiederworte. Was sollte sie auch ohne ihre heiß geliebten Feuchtigkeitscremes tun? Es dauerte ganz schön lange, aber Maxi bekam die Tür dann doch noch auf. Erschöpft gingen wir hinein und ließen uns auf unsere Betten fallen. Schon nach kurzer Zeit waren wir alle eingeschlafen.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und bemerkte, dass ich erste war, die wach war. Müde schaute ich auf den Wecker. Es war dreiviertel sieben. "Mist!", rief ich laut. Lotte schreckte hoch: "Lasst mich schlafen." "Leute, es ist schon fast sieben." Jetzt wachten auch Maxi und Anne auf. "Wieso hat denn keiner einen Wecker gestellt", fragte Lotte. "Haben wir doch, aber auf zehn vor Mitternacht. Und zurück in unseren Zimmer hab ich vergessen, die Wecker wieder auf um sechs zu stellen", sagte Maxi entschuldigend. "Ah", schrie Anne. Das war so laut, das sogar Ena aufwachte. "Schon Mittag", fragte sie müde. "Nein", erwiderte Anne hysterisch, "Heute ist Valentinstag. Ich muss unbedingt mit Benno darüber sprechen. Ich meine was sollte das gestern und... AH... gerade heute brauch ich doch so lange im Bad. Heute ist VALENTINSTAG. AH!" "Mann, krieg dich mal wieder ein!", sagte ich noch total müde vor mich hin. "Mich einkriegen? Der heutige Tag könnte über Zukunft entscheiden. Mensch Paula, ich könnte deine Schwägerin werden." "Anne, er ist bloß Benno. Hast du vergessen wieso wir heute so müde sind? Benno hat uns ausgeschlossen. Kapierst du es nicht? Er ist Benno. Meinetwegen verknall dich in jeden Typen von der Schule außer in Benno und in..." In wem sollte sie sich noch nicht verknallen? In Elias? Ach quatsch der war mir egal. Wirklich. "... und nicht in Gustav. Und jetzt sollten wir uns beeilen." Ich nahm mein Zeug und ging ins Bad. Dieses ganze Benno-ist-so-toll-ich-liebe-ihn-ja-so-sehr-getune konnte ich mir echt nicht mehr anhören. Die anderen brauchten auch gar nicht lange, bis sie mir ins Bad folgten. Alles lief schweigend ab, bis sich die Tür bewegte. "Paula? Anne? Lotte? Ena? Seit ihr hier", rief Mia. Wir wechselten Blicke und dann antwortete Ena mit "Ja". Mia atmete tief durch, dann fuhr sie fort: "Wisst ihr eigentlich wie spät es ist? Ihr habt die gesamte 1. Stunde vertrödelt!" "Aber vorhin war es doch erst dreiviertel sieben und...und wir haben doch garnicht so lang gebraucht", verteitigte Maxi uns. "Und was machst du hier? Hast du kein zu Hause mehr, oder haben dich Mama und Papa raus geschmissen, oder was?" "Du weißt doch garnicht, was ein zu Hause ist! Du hast doch überhaupt keine Ahnung, was bei uns zu Hause so alles abgeht...! Du bist vor 2 Jahren ausgezogen und hast dich seitdem nicht mehr gemeldet! Wahrscheinlich wissen sie noch nicht einmals, dass du hier arbeitest!" Wütend rannte Maxi aus dem Bad. "Schaut nicht so, sondern beeilt euch so schnell wie möglich zum Unterricht zu kommen. In der Mittagspasue kommt ihr bitte zu mir. Ciao." Mia ging dann schnellen Schritte aus dem Bad. "Das gibt Ärger", sagte Lotte, "Jemand sollte hinter Maxi her." Ich wollte schon antworten, da lief Ena los. "Habt ihr das gesehen? Kaum hier denkt sie schon das sie sich alles erlauben kann. Ich fass es nicht. Wer ist sie denn schon." "Ruhig Paula. Enas einzigste Freundin ist Maxi und deswegen will sie ihr auch helfen." "Schön und ich? Ich bin ihre beste Freundin und sie meine. Sagt mir wie fühle ich mich jetzt?" "Wenn sie deine beste Freundin ist, dann las ihr helfen. Wenn ihre Hilfe nun mal Ena ist, dann lass sie Ena sein. So und jetzt sollten wir uns beeilen. Ich will Benno sehen", sagte Anne. Damit war das Thema beendet. Ich folgte Lotte und Anne in unserer Zimmer. Wir nahmen unsere Sachen und gingen. Wir gingen über den Hof in das Schulgebäude. Dann stapften wir vorsichtig die Treppen hoch. Mittlerweile war ja schon wieder Unterricht. Doch schon standen wir vor dem Klassenraum. Wir tauschten untereinander Blicke aus. "Ich mache es", sagte Anne. Mit diesen Worten öffnete sie die Tür. Einen Augenblick war es mucksmäusen still. Man hätte ein Haar fallen hören können. "Wir haben verschlafen. Tut uns leid. Kommt nicht wieder vor", sagte Lotte. "Verschlafen? Im Internat? Mädels denkt euch beim nächsten Mal eine orginellere Ausrede aus. Nachsitzen für euch drei. Kommt bitte nach dem Unterricht zu mir. Setzt euch bitte hin. Im übrigen Maxi und Helena haben sich krank gemeldet. Das finde ich schade, denn schließlich solltet ihr eure neue Mischülerin Helena kennen lernen. Was steht ihr noch an der Tür herum Paula, Karlotta und Anne? Setzt euch, aber was ich noch sagen will: Es gibt eine kleine Veränderung im Sitzplan. Paula setz sich bitte neben deinen Bruder." Ich stand wie unter Schock da. Anne und Lotte nahmen meinen Arm und zerrten mich mit in den Klassenraum. "Das ist viel zu viel Strafe. Entweder Nachsitzen oder Benno. Aber bitte, bitte nicht beides", fehlte ich unsere Klassenlehrerin an. "Paula, du kennst mich. Deine Widerworte machen das höchstens schlimmer, nie besser. Außer du möchtest mit mir über wichtige Dinge diskutieren. Setzt euch also, bitte" , sagte Frau Kleinert. Ich schaute hilfesuchend zu Lotte und Anne. Aber es war zwecklos. Gegen unsere Klassenlehrerin konnte man eben nichts machen.
"Setzt ihr euch jetzt bitte hin. Ihr unterbrecht meinen wertvollen Biologieunterricht." Uns blieb nichts anderes übrig und so mussten wir uns hinsetzten. Dann erzählte Frau Kleinert weiter über ihr Unterrichtsthema. Ich hörte ihr nicht zu. Wie sollte ich auch? Ich saß neben Benno. Was aber noch schlimmer war, war das neben mir ein Stuhl frei war und dann Elias kam. Ich konnte mir denken wer hier sitzen würde. Das war sicher nicht Maxi, sondern Ena. Apro pro Ena: Was Max wohl von der ganzen Sache hielt? Der ist sicher sehr traurig das sie nicht da ist.
"Na schön geschlafen", flüsterte Benno mir ins Ohr. Noch bevor ich antworten konnte, klingelte es. Die restliche Stunde war ziemlich schnell vorbei gegangen. Mit Anne und Lotte ging ich nach vorne zu Frau Kleinert. "Seit ihr wenigstens ausgeschlafen", fragte Frau Kleinert. "Nein", antwortete ich. "Schön das du heute so ehrlich bist, Paula", meinte Frau Kleinert. "Frau Kleinert, verstehen sie bitte doch, wir haben nicht geschwänzt", erklärte Anne. "Da haben mir vorhin die Jungs etwa anderes erzählt." Ich sah Frau Kleinert geschockt an. "Ich glaube, ihr braucht kein Nachsitzen. Aber ich muss ein Wörtchen mit den Jungs wechseln. Mir war von Anfang an klar, dass ihr nicht schwänzt. Ich wollte nur eure Bestätigung. Entschuldigt mich." Dann stand Frau Kleinert auf und ging auf die TTTs zu. "Siehst du jetzt was er für ein Idiot ist? Kapierts du es jetzt, Anne? Benno ist mit Herz und Seele ein TTT. Einmal TTT, immer TTT."

28.6.08 13:35, kommentieren

2. Maxis Problem(Part4)

Anne und ich nahmen Maxis Zeug und folgten Lotte und der am Boden zerstörten Maxi. Wir hielten erst an, als wir vor unserem Zimmer standen. Von innen hörten wir Maxi weinen. Wir standen eine Weile davor und wussten nicht, ob wir hinein gehen oder davor warten sollten. Anne und ich schauten uns kurz an, doch dann entschlossen wir uns die Tür zu öffnen und Maxi zu trösten. Wir sahen auf meinen gemütlichen Bett eine weinende Maxi kauern. Lotte saß neben ihr und hatte sie im Arm und sprach mit tröstenden Worten auf sie ein. "...Sie können noch nicht mal aufhören sich zu streiten, wenn noch andere da sind", meinte Maxi. Sie wollte sich damit entschuldigen, doch es war ja nicht ihre Schuld. „Wollen wir ein bisschen spazieren gehen? Die frische Luft würde dir bestimmt gut tun“, sagte ich. Dann gingen wir zusammen in den Park.
Wir liefen 2 Stunden ununterbrochen im Park umher, bis sich Maxi endlich beruhigte. Zum Schluss fing sie sogar an Witze zu reisen und zwar über ihre Eltern. Wir liefen wieder durch das alte Eisentor auf den Hof zurück. Dort wurden wir gleich von den TTTs empfangen. „Ist das jetzt der neuste Schrei mit roten Augen rum zu laufen“, begrüßte uns Benno. Wir schauten zu Max. Da sein Gesicht nicht mehr rot war, konnte man immer noch die Lippestiftnachricht erkennen. Wir grinsten. „Seit wann ist es denn modern mit roten Gesichtern rum zu laufen, Max“, meinte Anne. Max tat so, als hätte er es nicht gehört. „Wo ist denn deine neue Flamme“, fragte ich Benno. Ena sollte Maxi nicht so sehen. „Ena? Die ist nicht meine neue Flamme. Außerdem wohnt sie in euren Zimmer und nicht in unserem“, entgegnete Benno. Einen Moment lang sah er so aus als würde er eine Gemeinheit von sich geben, doch dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck und er sagte nur: „Aber sicher wollt ihr zu ihr, dann lassen wir euch jetzt mal allein.“ Hatte Benno wirklich gerade die Chance vertan mich zu beleidigen? Wer war dieses Wesen das vor mir stand? Auf jeden Fall konnte es nicht mein Benno sein. „Wer bist du? Und wo ist mein Bruder? Was habt ihr diesen Vorgartenzwerg angetan“, fragte ich entsetzt. „Nichts. Paula, ich hab dir doch vorhin eine Nachricht zu kommen lassen. Verstehst du nicht, wir werden unsere Streitigkeiten vergessen und alles wird Friedefreudeeierkuchen sein“, sagte Benno. Ich sah, das es ihn eine Menge kostete diese Worte mit einem Lächeln hervor zu bringen. „Nein, ich verstehe nichts“, meinte ich darauf. „Was haben eigentlich Gustav und Tom miteinander zu tun, Max“, fragte Anne. Max grinste: „Immer noch in meinen Bruder verschossen?“ Anne wurde verlegen. Ich sah zu Benno, der auf einmal, Anne großes Interesse zu wandte. „Quatsch“, meinte diese schließlich. „Dann brauch ich dir die Frage ja auch nicht zu beantworten, oder?“ Eine Weile waren wir stumm. Dann war Max, der erste der wieder etwas sagte: „Ich muss dann mal los. Hab noch eine Verabredung, wenn ihr versteht was ich meine!“ Max ging. Ich sah ihm nach und musste feststellen, das seine Hose immer noch da hing, wo sie vorher schon war. Das einzigste was sich verändert hatte war sein T-Shirt. Er musste sich eins von seinen Stiefbruder geliehen haben. „Wo will denn Max hin“, fragte Anne. Benno sah auf den Boden und Leo fand die uralten Pappeln plötzlich interessant. Elias war der Einzige der antworten wollte: „Der geht zu... Ena.“ Die anderen sahen sich fragend an. „Zu Ena“, fragte Anne jetzt noch interessierter, „Was hat es denn mit den Beiden auf sich?“ „Sie sind nur befreundet. Im Gegensatz zu euch, kümmert er sich um sie.“ Ich spürte die Blicke der anderen im Rücken. „Sie wollte nicht mit zu Maxi“, verteidigte ich mich. Maxi atmete tief ein um mir eine Standpauke zu halten, doch Lotte unterbrach sie: „Ist jetzt auch egal.“ Benno sah uns noch eine Weile prüfend an, bevor er sagte: „Seit nett zu Ena.“ „Bist du etwa in...“, stieß Anne plötzlich aus. Benno schmunzelte und sprach: „Eifersüchtig? Keine Sorge in meinen Herzen ist für viele Mädchen platz.“ Einen Moment sah es so aus als ob Anne Benno eine scheuern würde, doch stattdessen lief sie ins Internat. „Idiot“, sagte Lotte und rannte ihr hinterher. „Du selbstverliebter Macho“, meinte Maxi und folgte den Beiden. Ich sah Benno an. „Ich wünschte ich könnte sauer auf dich sein. Aber irgendwie bin ich dir dankbar, dass du das gesagt hast. Trotzdem bist und bleibst du ein Warzenschwein.“ „Das wollte ich nicht, wirklich“, probierte Benno es mir zu erklären. „Erzähl es deinen Faden“, erwiderte ich darauf. Dann lief ich zu den anderen die sicher in unserem Zimmer schon warteten, das ich auch kam. Wenn ich dann oben bin, sollte ich bestimmt ein paar tröstende Worte über das TTT- Verhalten sagen.
Ich atmete tief ein und rechnete mit Allem: eine taschentuchverschlingende Anne, eine trostzuspendende Lotte und eine auf Benno schimpfende Maxi. Doch was ich erblickte verschlug mir die Sprache. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich sah Ena und Max. Ich wusste es doch, das sobald sie da war, nur Mist passieren würde. Eigentlich war das betreten dieses Zimmers für die TTTs strengstens verboten, doch kaum war Ena da schon hüpfte einer von ihnen hier rum. „Raus aus meinen Zimmer“, schrie ich. Was machten die jetzt in dem Zimmer? „Es ist nicht nur dein Zimmer“, erinnerte mich Max. „Hast du Anne und so gesehen“, fragte ich Ena und probierte Max zu ignorieren. „Nein. Wir sind gleich weg. Ich hab nur noch mein Bett zu Ende bezogen.“ Max schaute mich an um zu wissen wie ich reagiere. Ich nahm mir fest vor, das ich es ihm nicht gönnen wollte, das er mich noch zum Wutausbruch bringen würde. Damit das auch klappte, musste ich erst mal von ihm wegschauen. Deswegen guckte ich zu Ena, die noch ihre Bettdecke glatt strich. „Lass uns Abendessen gehen“, meinte Ena. Darauf verschwand sie mit Max. Ich stand nun allein da und schaute immer noch auf Enas Bett. Einst war es Maxis Besucherbett und deswegen war es auch gleich neben meinen. Doch in diesen Moment wollte ich nur das es weit, weit weg von meinen Bett stehen würde.
Von draußen hörte ich lachen. Dann öffnete sich die Tür und die anderen betraten lachend das Zimmer. „Ich dachte, du wärst traurig wegen Benno.“ Anne grinste und erklärte: „Soßenquark. Aber mein Auftritt war Theaterreif. Die haben es mir sogar abgenommen. Und ich glaube, wenn ich das jetzt noch so weiter mache, wird mir Benno bald aus der Hand fressen.“ Ich schluckte mir ein böses Kommentar herunter. Dann gingen wir essen.
Wir aßen gerade Abendbrot oder zumindest aßen die anderen. Ich hatte nämlich keinen Hunger. Irgendwas lag mir auf dem Magen, was mir das Essen verdarb. Ich hörte noch nicht mal zu über was sich die anderen unterhielten. Sicher hätte ich eine Ewigkeit so da gesessen, wenn mich nicht jemand aus den Gedanken geholt hätte. Maxi sprach mich an: „Schau mal wer da sitzt und wer nicht.“ Sie zeigte auf einen Tisch ganz in der Ecke des Speisesaals. An diesen Tisch saßen zwar Bennos Bande, doch einer fehlte: Max. Ich schaute die anderen fragend an. „Und dort der Rest“, beantwortete Anne meine Frage indem sie auf einen anderen Tisch zeigte, der nicht weit von Gustav entfernt war. An dem Tisch saßen Max und Ena, aber noch eine dritte Person. „Tom“, flüsterte ich entsetzt. „Ja. Jetzt frage ich dich was Tom mit Max zu schaffen hat. Ok sie sind Stiefgeschwister. Doch sonst essen sie auch nicht zusammen. Was also machen die da? Und wieso hockt Tom neuerdings mit Gustav rum“, erzählte Lotte. Ich wusste auch keine Antwort auf diese Frage. Ich sah noch mal zu den TTT, doch ihr Tisch war mittlerweile leer. Schnell warf ich einen Blick zur Tür, doch da lief nur einer der TTTs, die am Tisch gesessen hatten. Als ich meine Aufmerksamkeit dann wieder dem Tisch zu wandte, bemerkte ich meinen Bruder Benno und Elias die unseren Tisch ansteuerten. „Anne bitte zieh jetzt keine Show ab, wenn sie kommen. TTTarlam“, sagte ich noch leise zu Anne. Dann war es auch schon so weit: Die zwei ließen sich auf die zwei noch freien Stühle an unseren Tisch fallen. „Schönen Abend meine Mädels. Schön euch noch mal zu sehen. Anne wegen vorhin war nicht so gemeint“, begrüßte uns Benno freundlich. Allein für diese siebzehn Wörter hätte ich ihn schon mehrfach umbringen können. „Benno komm bitte zum Punkt“, sagte Maxi. Wenigstens jetzt war sie mal wieder meiner Meinung. Benno nervte einfach alles und jeden. „Ich wollte nur wissen ob das klappt mit heute Mitternacht.“ Wie aus einen Mund antworteten Maxi und ich, aber mit zwei unterschiedlichen Aussagen. Während sie JA rief, meinte ich NEIN. Maxi und ich sahen uns an. „Ihr sollt wenn schon alle kommen. Alle oder keine“, entgegnete Elias. „Wir kommen“, übernahm Lotte die Antwort. „Und da ist noch was“, flüsterte Benno kaum hörbar. Er schaute sich noch mal um. „Lass den Mist mit deiner Top Secret Sache, ja? Bitte sag es einfach und zieh Leine“, äußerte ich mich zu diesen Thema. Benno sah mich einen Augenblick so an als würde er mir am liebsten mein noch nicht gegessenes Abendessen ins Gesicht schmieren wollen. Seine Augen wurden ganz schmal, doch dann entschied er sich um und redete immer noch übertrieben leise weiter: „Wisst ihr was das mit Max und Ena auf sich hat. Max erzählt es nicht und Ena können wir nicht drauf ansprechen. Außerdem wieso isst Max an Toms Tisch. Irgendwas ist mit Ena. Sonst war Max die ganze Zeit bei uns: seinen Kumpels. Und jetzt?“ Lotte und Maxi kicherten. Ich konnte das verstehen, schließlich hatte Benno das total dramatisch betont. „Eifersüchtig“, fragte Anne Benno. Er schaute sie an und meinte: „Immer. Ich steh wenigstens dazu.“ „Auf wem bist du Eifersüchtig: auf Max, Ena oder Tom“, hakte ich nach. „Auf.... Paula! Du, du ach lasst mich doch alle in ruhe. Ihr Mädels seit doch alle gleich“, beantworte Benno meine Frage. Danach ging er mit Elias aus der Mensa. Ich beobachtete sie bis sie am Ausgang waren, wobei mir auffiel das sich Elias einmal umgedreht hatte und mir in die Augen gesehen hat. „Ich glaube wir sind jetzt auch mit dem Essen fertig oder willst du dein bisher noch nicht mal angegucktes Essen noch zu dir nehmen“, plauderte Maxi fröhlich drauf los. Ich lächelte sie an. Es war gut das sie wenigstens für einen Moment ihren Ärger mit den Eltern vergessen hatte.

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2. Maxis Problem(Part3)

„Wenn du sie nicht fragst ob sie mit will, dann tu ich das“, meinte Maxi. „Ich mach es ja schon“, antwortete ich genervt. Mit diesen Worten setzten wir uns in Bewegung. Wir wollten Ena suchen, damit ich sie dann fragen konnte ob sie mit will. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich hoffte, das wir Ena nicht finden würden oder wenn doch, dass sie keine Lust hätte mitzukommen. Doch wir fanden sie. Sie kam uns auf dem Weg zu unseren Zimmer entgegen. „Hi“, sagte sie und wollte weiter gehen. „Warte“, rief ich ihr zu. Sie drehte sich um. Ena blickte uns an. In ihren Blick lag etwas seltsames. Ihr Gesicht lächelte zwar, aber ich sah ihr in die Augen. Ihre Augen sagten mir etwas wie: „Ich hab euch doch schon genug gestört. Lasst mich einfach allein sein.“ Als sie mitbekam das ich es erkannte, schaute sie aus dem Fenster. „Wir wollten dich fragen, ob du mit ins Eiscafe kommst. Nicht das oben am Schlossberg, sondern das andere.“ Ena antwortete nicht sofort, dann sagte sie: „Wollt ihr das wirklich oder ist das nur eine Wohltätigkeit.“ Die Frage ging an mich, dass wusste ich. Trotzdem antwortete Maxi: „Ja klar wollen wir das. Sonst hätten wir dich doch nicht gefragt, oder?“ „Sicher? Ich will euch nicht als Last anfallen.“ „Sicher“, antworte ich auf Enas Frage. Die anderen schauten mich verwundert an. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass ich nachgeben würde.
„Haben wir dir eigentlich schon erzählt, das wir es Ena zu verdanken haben, das Leo und Benno von unserer Tür abgezogen sind“, fragte Anne. Wir saßen an unseren Stammtisch im Eiscafe. Lustiger Weiße hatten wir alle fünf Cafe Latte bestellt.
„Echt“, fragte ich verwundert nach. Das hatte mir keiner erzählt. Ich schaute zu Ena, die gerade einen großen Schluck von ihren Latte nahm. „Echt. Das hättest du mal hören sollen wie Ena, das gemacht hatte.“ Ena lief Rot an. „Quatsch. Ich wette Paula hätte es hundert mal besser gemacht“, antwortete sie darauf. „Sei doch nicht so bescheiden“, sagte Maxi. Lotte stimmt zu einen Tost an: „Auf das coolste zweite Halbjahr aller Zeiten.“ Und wir alle stießen unsere Tassen aneinander. Maxi machte das mit soviel Energie, das etwas ihres Lattes überschwappte. Der warme Cafe landete auf meiner Hand, wobei ich fast die Tasse fallen ließ. In letzter Sekunde hielt ich sie dann doch fest und wir mussten kichern. Eigentlich war nichts gegen Ena aus zusetzten. Wie Maxi gesagt hatte, würde sie perfekt zu uns passen. Trotzdem gab es immer noch etwas in mir was gegen sie war. Vielleicht war es die Tatsache, das Maxi und Ena von ihren zusammen Erlebten erzählten und ich mich irgendwie ausgeschlossen fühlte. Ena war nett, doch wenn sie mit zu uns gehören würde, dann wären wir fünf und das würde bedeuten, das sich eine wie das fünfte Rad am Wagen fühlen würde. Ok, wir waren beste Freundinnen und niemand würde verletzt werden, wenn man es so sieht. Es war bloß so, das jeder von eine in der Gruppe hatte, der sie mehr Geheimnisse erzählte als den anderen. Oder zumindest Geheimnisse erst ihr anvertraute, bevor sie den anderen mitteilte. Und wenn wir in der Schule mal zweier oder vierer Gruppen bilden müssten, dann würde eine übrig bleiben. Anne und Lotte waren wie Zwillinge und Maxi und Ena machten in diesen Augenblick, den gleichen Eindruck. Dann würde ich meine Stellung verlieren und ich wäre, das fünfte Rad am Wagen während Ena langsam und gemütlich mir meine besten Freundinnen wegschnappte.
„Maxi, müssen wir nicht noch dein Zeug holen. Maxi will schließlich nachher bei uns übernachten“, unterbrach ich gerade eine Geschichte von Ena und Maxi. „Aber dafür ist doch noch Zeit“, stöhnte Maxi, „Paula, lass uns erst mal zu Ende erzählen. Ok? Dann reden wir darüber.“ Ich schaute Maxi an. War es wirklich meine Maxi? Meine Maxi, die sich von mir abwendete? Ich konnte es nicht fassen. Die Feindliche Übernahme von Ena hatte anscheinend schon begonnen.
„Ich gehe mal aufs Klo. Will jemand mit“, fragte ich in die Runde. Ich brauchte jemand, der mir zu hörte. Doch keiner meiner Freundinnen machte Anstalten mir zu folgen. Ich schaute noch einmal in die Runde und dann ging ich- allein. Als in der Toilette war, beugte ich mich übers Waschbecken. Ich ließ ein bisschen Wasser einlaufen um es mir dann ins Gesicht zu spritzen. Ena musste weg. Wenn meine Freundinnen es nicht merkten, dann musste ich sie alleine von unserer Gruppe weglocken. Ich wettete, das sie im Zickenzimmer fiel besser aufgehoben war. Und wenn ich es geschafft hatte sie dort unterzubringen, dann würde ich auch nichts mehr gegen sie haben. Doch wie konnte ich das nur anstellen? Ich wusste es einfach nicht. Wahrscheinlich war es besser ich würde wieder raus gehen. Und das tat ich auch. Ich ging wieder zu unseren Tisch, wo Anne und Lotte ein paar unserer erlebten Sachen erzählten. Ich setzte mich hin und hörte zu.
Auf einmal tippte mich jemand an. Ich drehte mich erwartungsvoll um, denn Anne, Lotte, Ena und Maxi redeten nun schon seit geschlagenen 15 Minuten über unsere vergangenen Erlebnisse und weil mich das einfach nur noch total aufregt, hatte ich beschlossen, einfach gar nicht mehr zu zuhören. Ich drehte mich also gespannt um und sah.....Gustav! Den hatte ich nun echt überhaupt nicht erwartet, aber wo er mich schon mal aus meiner Langeweile gerettet hatte, konnte ich ja jetzt auch mit ihm sprechen, aber das machte er schon von ganz allein: „Kannst du mir mal 5 Euro leihen? Bitte, bitte!“ Dann bemerkte ich, dass er hier gerade mit Tom(Max großen Stiefbruder) herein geschneit gekommen war. Diese Gelegenheit nutzte ich natürlich und gab ich ihm die 5 Euro nicht gleich. Stattdessen flüsterte ich ihm zu: „Hey, seit wann hängst DU denn mit Tom rum?“ „Na, weil ich und Tom Kumpel sind und jetzt gib mir das Geld, was mir zusteht.“ „Und seit wann seit IHR Kumpel?“ „Seit wann bist du so neugierig?“ „Seit heute Vormittag um 11!“, sagte ich langsam genervt. „Ja, aber was war denn heute Vormittag um 11Uhr so Schlimmes?“ „Wieso bist du denn auf einmal sooo neugierig?“ Gustav sah mich böse an und sagte schließlich: „Leihst du mir das Geld oder nicht?“ „Wenn ich es spätestens morgen wieder bekomme, kannst du es sogar schon jetzt sofort haben“, sagte ich grinsend und gab ihm das Geld. Er nahm es, machte aber keine anstalten sich zu bewegen. "Ist noch was", fragte ich. Gustav schüttelte den Kopf und verzog sich in eine der hintersten Ecken. "Tschau Ena. Mädels", sagte Tom, bevor er sich zu Gustav setzte. Ich wittmete meine Aufmerksamkeit, auch wenn ich wegen Tom einbisschen verwundert war, wieder unserer netten und sehr interessanten Gesprächsrunde, doch meine Freundinnen und Ena schauten mich verwundert an. „Was hat denn dein Bruder mit meinem Ex zu tun?“, fragte Anne. Mich wunderte es nicht, das Anne nach ihren Exfreund fragte. Am Anfang dieses Schuljahres waren Tom und Anne ein Paar gewesen. Doch irgendwann verliebte Anne sich in jemand anderes und sie trennte sich von ihm. Seitdem prügelte er sich öfters mit den Jungs, die in Anne verliebt waren. Dazu fiel mir Benno ein. So sehr ich ihn auch nicht leiden konnte, ich wünschte ihm keine Prügelei mit Tom.
„Das wusste er auch nicht so genau...er war zu neugierig“, beantwortete ich die Frage, die ich auch Gustav gestellt hatte. „Lasst uns gehen“, sagte Maxi, die großzügiger Weise die Rechnung bezahlte.
Am Schlossberg trennten sich unsere und Enas Wege. Ena ging „leider“ zurück ins Internat, weil sie meinte das es besser wäre, wenn wir Zeit für uns hätten. Wir vier aber gingen zu Maxi, ihre Sachen holen. Zusammen bogen wir in eine neugemachte Straße. Überall wurden wir von Hunden angebellt. Nur an einem Haus konnte man vorbei gehen ohne angebellt zu werden. Es war das Haus indem Maxi und ihre Familie wohnte. Maxis Familie besaß zwar keine Hunde, aber dafür einen wunderschönen Vorgarten. Wie oft waren wir hier. Wie oft war alles friedlich und ruhig. Doch nun sollte alles vorbei sein. Einst war es eine heile Familienwelt, doch nun war sie zerbrochen.
Wir standen zwar draußen vor dem Haus, doch trotzdem konnte man ihre Eltern streiten hören. Peinlich berührt standen Anne, Lotte und ich vor dem Haus. „Sollen wir nicht lieber draußen warten“, fragte Lotte. Maxi schüttelte den Kopf. „Ihr müsst mit kommen. Alleine schaffe ich das nicht.“ Wir folgten Maxi ins Haus. Schon in der Tür konnte man deutlich ihren Streit ihrer Eltern Wort für Wort mitverfolgen. Sie stritten übers Geld. Maxi winkte uns schnell hoch in ihr Zimmer. Dort drinnen bekamen wir unterschiedliche Aufgaben, damit es schneller ging. Anne musste in den Keller, um Schlafsack und Luftmatratze zu holen. Lotte sollte ins Bad gehen, um Maxis Waschzeug zusammen zu packen. Und ich sollte bei ihr bleiben. Irgendwie war es klar das jemand bei ihr bleiben musste unter diesen Umständen. Das es gerade ich war, zeigte mir das ich doch nicht so überflüssig war. „Kannst du mir mal bitte meinem roten Schlafanzug und meine Kuschelsocken geben“, fragte Maxi. Ich ging zu ihrem Schrank und holte ihren Schlafanzug. „Wie lange streiten sich deine Eltern eigentlich schon“, fragte ich sie, obwohl ich es im nächste Augenblick schon wieder bereute. „Seit Ende November“, erwiderte sie traurig. Als sie es sagte, konnte sie mich nicht anschauen. Ich konnte sie echt verstehen. Wer lacht schon, wenn seine eigene Familie von einem Tag zum anderen einfach so zerbricht? Eigentlich hätte ich mir die nächste Frage verkneifen sollen, doch ich wollte es unbedingt wissen. „Warum hast du es nicht wenigstens mir früher erzählt?“ Doch Maxi packte weiter verbissen ihre Schultasche und tat so, als hätte sie es überhöhrt. Ich wollte eigentlich noch mal fragen, doch in diesem Moment verstummten die Stimmen ihrer Eltern. „Maxi? Bist du da“, rief ihre Mutter von unten aus dem Wohnzimmer. Maxi ging zur Treppe und antwortete: „Ich schlafe wieder in der Schule.“ „Ist in Ordnung, mein Schatz. Bis morgen dann.“ Mit diesem Worten ging sie wieder ins Wohnzimmer, um mit ihren Mann weiter zu streiten. Maxi kam zurück ins Zimmer. „Also ich hab alles. Lass uns ins Internat gehen.“ Ich nickte. Dann gingen wir nach unten , wo Anne und Lotta schon auf uns warteten. Wir wollten gerade losgehen, als wir Geschirr zerbrechen hörten. Maxi ließ ihr Zeug fallen und rannte ins Wohnzimmer. „Ihr streitet den ganzen Tag! Ihr merkt doch überhaupt nicht mehr, dass es mich noch gibt!! Ihr seit echt bescheuert. Immer diese Kinderrein. Es macht mich fertig, zu sehen wie ihr euch jedes Mal bekriegt. Euern Streit tu ich mir nicht mehr an. Ich hasse euch. Ich hasse euch dafür. Ich hasse euch für alles was ihr mir angetan habt! Spart euch eure Lügen. Die kann ich nicht mehr hören. ICH HASSE EUCH.“ Damit nahm sie die teure Obstschale samt der Kokosnuss aus dem Supermarkt und schleuderte sie durch das riesige Wohnzimmerfenster! Wir hörten die Glasscheibe zersplittern. Dann stürmte Maxi an uns vorbei. Sie rannte durch die Haustür und hörte nicht auf zu laufen. Wir sahen uns ratlos an. Kurz entschlossen rannte Lotte ihr hinterher. Maxis Eltern fingen wieder an zu streiten. „Boah die regen mich auf. Eltern lassen sich immer über uns Kinder aus: Was wir besser machen könnten und wie wir uns zu verhalten haben, aber sie selbst können nicht mal die einfachsten Dinge ruhig angehen“, schrie ich. Anne schaute mich schockiert an und flüsterte: „Musste das denn gerade jetzt raus?“ Mir wurde klar, dass Maxis Eltern es auch gehört haben mussten. Ihre Eltern kamen aus dem Wohnzimmer. Für kurze Zeit war Stille zwischen Maxis Eltern. Dann führten sie ihr Wortgefecht weiter.

28.6.08 13:29, kommentieren

2. Maxis Problem(Part2)

Wir blieben eine Weile so wie wir waren. Ich oben bei der Höhle und Elias unten am Fuße. „Soll ich dir runter helfen“, fragt Elias. Ich schüttelte meinen Kopf und klettere allein runter. „Und willst du mich jetzt als Geisel halten“, erkundigte ich mich. „Quatsch. Ich meine du kannst gehen, wenn du willst.“ Das lies ich mir nicht zwei mal sagen und lief los. Ich hielt erst wieder an als ich auf der letzte Treppe vor unseren Mädchenflur stand. Ich schaute vorsichtig in den Mädchenflur. Benno und Leo klopften wie wild an die Tür. Ich versteckte mich hinter einen Stück Wand was in den Flur ragte. Dann hörte ich wie Benno und Leo verstummten. Eine Tür ging auf und dann schloss sie sich wieder. Kurz darauf hörte ich die Rufe von Benno und Leo wieder. Ein Mädchen ging an mir vorbei. Nein, nicht irgendein Mädchen, sondern Ena. Ich war erleichtert als ich sie sah. Schließlich musste das heißen, dass sie nicht auf Bennos Seite war, sonst hätte sie die Tür für die zwei geöffnet. Ich ließ einen ganz leisen Freudenschrei aus. Leider war er nicht ganz leise wie ich gedacht hatte. Ena drehte sich um. Erst sah sie mir in die Augen, dann schaute sie zu Benno und Leo um dann auf mich zu zugehen meine Hand zu nehmen und mich mit zu zerren. Als wir im Erdgeschoss waren ließ sie mich los. „Was machst du denn hier“, fragte Ena verwundert. Dumme Frage von ihr. Was soll ich hier denn machen? „Elias hat mich gehen lassen. Ich wollte gerade zu euch“, antwortete ich ganz gelassen. „Also: Die anderen wollten die Sms lesen bloß waren keine mehr im Postein- oder Ausgang. Na ja dann haben sie sein Handy auf Russisch noch umgestellt und Anne wollte unbedingt ihre Nummer einspeichern. Jetzt sollte ich gerade zu dir und Elias, um zu verhandeln.“ „Und wieso du?“ „Ist doch total klar. Das ich das Handy habe, checken die Typen doch nicht.“ Da musste ich ihr Recht geben. Doch da hörte es auch schon auf. Was viel der denn ein, sich einfach so in unsere Angelegenheiten einzumischen? „Dann kannst du mir das Handy geben und ich regele die Angelegenheit.“ Ena gab mir das Handy und ich ging mit ihm ohne mich bei Ena zu bedanken. Ich lief los. Wohin ich genau hin lief, wusste ich nicht. Ich ließ mich einfach von meinen Beinen tragen. Und dann war ich da. Ich stand vor Elias, der sich immer noch dort befand wo ich ihn verlassen hatte. „Zu mir kommen alle zurück“, empfing er mich. Ich atmete tief ein und dann fing ich an zu erzählen: „Noch so ein Spruch und ich bin samt dem Handy wieder weg. Hier ist Bennos Handy. Wir haben nichts damit angestellt, zumindest fast nichts. Auf jeden Fall haben wir keine Sms gelesen.“ Ich hielt Elias Bennos Handy hin. Er nahm es in die Hand. „Aber du. Du hast meine Sms von heute morgen gelesen. Stimmts?“ Ich nickte schuldbewusst. Elias winkte ab. „Ist schon in Ordnung. War sowieso eine Sinnlose Aktion. Danke für das Handy.“ Ich grinste und Elias lächelte zurück. Dann drehte ich mich um und wollte gehen, aber Elias hielt mich auf. „Hast du mein Handynummer eigentlich?“ „Wieso“, fragte ich verdutzt. „Na damit... wenn du... also... ähm... sollte ich dir nicht schreiben falls Benno sich nicht umstimmen lässt und trotzdem an dein Tagebuch will.“ Ich nickte und Elias gab mir seine Nummer. Und auf einmal machte sich in meinen Magen so ein warmes Gefühl wie, wenn man Tee trinkt, breit. Es war angenehm und brachte mich zum Grinsen. „Was wolltet ihr eigentlich in meinen Tagebuch nachlesen was du so dringend wissen wolltest?“ Elias schaute ich mich einen Moment sprachlos an. Ich sah ihm in seine Augen. Plötzlich veränderte sich Elias Blick. Er schaute mich so an, wie er es bisher nur ein einziges Mal getan, hatte. Als er es das erste Mal gemacht hatte, sahen wir uns zum ersten Mal. Damals war ich neun oder zehn gewesen und wusste diesen Blick noch nicht zu zuordnen. Doch heute wusste ich es. Wenn Elias jetzt seinen Mund öffnen würde, würde er etwas aussprechen was sich nicht ändern ließ, etwas was alles hier verändern würde und so weit sollte es nicht kommen. Er war nur ein Freund und nicht mehr. Das Teegefühl verschwand. Dafür kam etwas anderes: die Angst. Die Angst vordem was er als nächstes sagen würde. Ich schaute ihn noch mal an und dann lief ich los.
„Paula, wo warst du denn wir haben dich gesucht“, holte mich Lotte aus meinen Gedanken zurück. Ich verspürte Lust ihr zu erzählen was im Park mit Elias vorgefallen war, aber ließ es dann doch. Schließlich würde das ja nur bedeuten, das es für mich eine große Bedeutung haben würde und das tat es nicht. Es ging schließlich nur um Elias. Mein Teegefühl machte sich in meinen Magen breit. Kam es wegen Elias? Ich dachte daran was ich im Park gefühlt hatte: nämlich nichts. Das Teegefühl verschwand genauso plötzlich, wie es gekommen war.
„Na komm lass uns zu den anderen gehen oder willst lieber alleine gelassen werden?“ „Nein lieber nicht. Wo sind sie denn?“ Lotte lächelte. „Sie sind auf der Terrasse." Dann gingen Lotte und ich zur Terrasse. „Haben wir gewonnen“, fragte ich die anderen als erstes. „Ich weiß nicht, aber Benno und Leo sind weggegangen“, antwortete Anne. Wir grinsten. Ganz sicher hieß es für uns das wir gewonnen hatten. Benno war kein Typ, der aufgibt, aber diesmal musste er es machen.
Eine Weile grinsten wir uns an, aber dann fiel mir auf das Maxi vielleicht äußerlich lächelte, aber in ihren Blick konnte man erkennen, das sie irgendetwas beschäftigte. "Maxi", fragte ich vorsichtig, „Was ist denn los?“ Maxi seufzte: „Ich wollte es euch eigentlich erst später sagen. Wir haben gerade Spaß und jetzt gleich muss ich euch die Laune verderben. Aber ich kann nicht mehr warten es euch zu sagen. Sorry.“ Wir schauten Maxi gespannt an. In ihrer Stimme klang die Traurigkeit ganz deutlich heraus.
„Ich hab ein Problem! Ich will nicht nerven, aber ich glaube das könnte euch interessieren. Ich weiß nicht wieso, aber meine Eltern streiten nur noch. Das haben sie noch nie gemacht. Wieso sie sich streiten wollen sie mir auch nicht erzählen. Es ist ja normal das man sich ab und zu streitet, aber nicht den ganzen Tag. Ich halt es nicht mehr zu Hause aus. Mir vergeht zu hause schon das Essen. Ich wollt euch nur fragen ob ich bei euch im Zimmer pennen kann. Ich weiß das Ena zwar im Bett liegt, aber zuhause halte ich es nicht mehr aus. Das Beste wäre ich schlafe im Schlafsack.“ Am Ende ihres Vortrags ist Maxi den Tränen nah. „Ich hab mir letzte Nacht die Augen ausgeheult. Ich kann nicht mehr! Bitte“, fehlte sie. „Ist doch klar das du immer bei uns schlafen kannst. Du wirst heute Nacht bei uns schlafen und wenn wir dazu Ena ins Jungszimmer schleifen müssten, dann würde ich es höchstpersönlich machen. Und wie du weißt würde ich mich lieber lebendig begraben lassen als auch nur einen Schritt in das Zimmer von Benno zu tun“, sagte ich. Maxi lachte und ihre Tränen verschwanden. Sie würde heute Nacht in unseren Zimmer schafen. Das waren wir ihr als beste Freundinnen schuldig.
Und gerade hatte Maxi sich beruhigt, da erschien schon ein TTT. „Na ihr. Ich soll euch eine Nachricht von Benno überbringen“, sagte Max. Max gehörte auch zu Benno und so wie es aussah war er auch schon da. Obwohl Max nicht der größte war, war er der frechste der ganzen Schule. Das hatte ihn schon oft Nachsitzen bereitet, trotz der Tatsache das er erst seit diesem Schuljahr auf unsere Schule ging. Zu Max könnte man ganze Bücher verfassen. Er war ein einmaliges Phänomen. Seine braunen Haare waren kurz, aber trotzdem konnte man seine Locken sehen. Außer sie waren mal wieder unter einer seiner Rappermützen versteckt. Das fanden wahrscheinlich ziemlich viele Mädchen gut, denn er war Mädchenheld No2 an unserer Schule. Was ich an Max gut fand, war die Tatsache, das er Benno ganz schön oft verarschte. Und Max war der einzigste der das auch dürfte. Wenn die anderen es versuchten, wurde Benno fuchsteufelswild. Max war einfach lustig, verarschte sich öfters selbst und konnte auch über sich lachen. Eigentlich kam jeder mit ihm gut aus, aber in diesen Moment war er mir absolut unsympathisch. „Du störst. Verzieh dich. Merkst du nicht, das wir beschäftig sind“, sagte ich. Doch das war ein Fehler. Max genoss jedes meiner Worte: „Ist klar das ihr euch lieber selber gegenseitig schminkt als eine wichtige Nachricht zu empfangen.“ Anne verdrehte die Augen: „Verschwinde. Du nervst.“ Max grinste: „Also Benno lässt euch ausrichten, das ihr gewonnen habt. In Zukunft wird er, Entschuldigung wir werden euch in Ruhe lassen. Allerdings nur unter einer Bedingung.“ Max legte eine Kunstpause ein, um sich an unseren Gesichtern zu ergötzen. „Und“, fragte Lotte, als ihr die Kunstpause zu lange ging. Max grinste noch mal: „Die erfahrt ihr, wenn ihr heute Nacht Punkt Mitternacht in unseren Zimmer seit.“ „Vergiss es“, platzte es aus mir heraus. Nie in meinen Leben würde ich da hineingehen. „Seht ihr anderen das genauso“, bohrte Max nach. „Nein, wir werden da sein, keine Panik. Und jetzt mach eine Fliege“, setzte sich Maxi gegen meine Ablehnung hinweg. Max suchte noch in Annes und Lottes Gesichter nach Annehmung dieser Aussage. Nachdem er sie gefunden hatte, schaute er mir ins Gesicht. Ich wusste was sein Blick heißen sollte. Er bedeute soviel wie: „Nimm es gelassen. Du hast eben nichts mehr zu sagen.“ Ich hätte ihn den Hals umdrehen können. Doch Max drehte sich schon um, um zu gehen. „Anne, gibt mal bitte deinen LP.“ Anne holte ihren knallroten Lippenstift aus der Hosentasche und gab ihn mir. „Max, bleib mal bitte stehen. Wir haben auch eine Nachricht für euch.“ Max drehte sich um und ich hielt ihn mit einer Hand fest. Mit der anderen Hand malte ich ihn „Loser“ über sein Gesicht. „Was war das“, fragte Max begeistert. „Nichts, nur eine Nachricht... keine Angst es steht dir.“ Max schaute noch ein wenig verdutzt aus, fing sich dann aber wieder und ging. Ich sah ihm hinterher und bemerkte etwas, was mich zum Lachen brachte. Ich zeigte es den anderen, worauf Anne erbarmen walten ließ und Max hinterher rief: „He Max, wenn du schon anfängst deine Hose in den Kniekehlen zu tragen, dann würde ich wenigstens T-Shirts tragen, die auch so lang sind. Und übrigens hübsche Herzchenunterhose.“ Max lief rot an. So rot, dass man die Lippenstiftnachricht nicht mehr von den seinen Gesicht unterscheiden konnte. Wir mussten uns vor Lachen fast kugeln.
Als wir uns wieder beruhig hatten, schlug Maxi vor in das ein Kilometer entfernte Nachbardorf zu gehen. Dort gab es fünf sehr kleine Läden zum einkaufen, eine Gaststätte und eine preisgekrönte Eisdiele. Wir waren einverstanden bis auf eine kleine Tatsache nämlich die, das wir Ena mitnehmen sollten. Ok ich war die einzigste, die dagegen war.

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2. Maxis Problem(Part1)

Kennt ihr das? Ihr seit sauer wegen irgendwas, dann legt ihr euch hin, denkt eine Weile nach und irgendwann seit ihr nicht mehr sauer. Oder zumindest seit ihr nicht mehr ganz so sauer. So ging es mir, doch ich wollte einfach nicht so leicht nachgeben. Ich wollte hart bleiben. Aber dann klingelte nach einer Weile mein Handy. Ich nahm ab: „Ja?“ „Hi Paula, ich bin es Maxi. Wieso hast du denn schlechte Laune?“ „Maxi, wie geht’s?“ „Gut, ich wollte euch fragen ob wir uns an der Lavendelaussicht treffen wollen, jetzt gleich.“ „Na klar geht in Ordnung!“ Ich legte auf. Anne und Lotte unterbrachen ihre Tätigkeit. „Was ist denn mit dir passiert. DU kannst ja wieder lächeln“, erkundigte Anne sich. „Wir treffen Maxi, jetzt gleich“, antwortete ich fröhlich. Lotte schaute abwechselnd zum Schrank und zu mir. Dann meinte sie: „Worauf warten wir dann noch?“ Kaum gesagt schnappten wir uns unsere Sachen, schließlich war es draußen noch Winter. Wir liefen die Treppe runter und dann raus auf den Hof. Da blieb ich erst mal stehen und sah Ena mit den drei Jungs auf der Bank sitzen. Echt schade das noch zwei Mitglieder der TTTs fehlten, sonst hätten sie Ena gleich als Ehrenmitglied aufnehmen können.
„Mensch Paula komm. Es wird schon alles gut, das wirst du sehen. Sie wird unsere Freundin, da wette ich mit dir. Mit Anne hattest du am Anfang auch dieselben Probleme. Sie war doch genauso wie Ena. Gib ihr eine Chance sich zu beweisen.“
„Na ja vielleicht ist sie ja nicht so schlimm, Lotte. Aber wir nehmen sie nicht auf. Eher geh ich. Sie versteht sich immerhin mit Benno! Und ich glaube, das er sie mag.“
„Davon redet keiner Paula. Und viele andere Mädchen der Schule verstehen sich auch mit Benno und es gibt viele die ihn mögen. Er ist eben nicht ganz so schlecht wie du glaubst!“
„Siehst du, Paula. Anne ist in deinen Bruder verknallt!“
„Gar nicht wahr Lotte! Na warte dafür kitzle ich dich durch!“
„Dazu solltest du mich erst mal fangen.“ Und schon rannte Lotte los und Anne und ich rasten hinterher. Und der Wind der in mein Gesicht peitschte, peitschte auch die eigentlich sinnlose Wut auf Ena aus mir heraus. Wir rannten eine Weile durch den Schlosspark. Am Anfang war der Weg richtig schmal, aber je weiter wir hinein kamen desto breiter wurde der Weg. Als wir dann an der Kletterfelswand vorbei rannten, fiel Lotte über eine herausragende Baumwurzel. Da Anne sehr nah hinter Lotte lief, sah sie die Wurzel auch nicht und fiel genauso hin. Und zu guter letzt kam ich. Ich fiel auch hin, obwohl ich früh genug stoppte, weil ich die Wurzel gesehen hatte. Wir mussten Lachen. Ich richtete mich auch und Anne kitzelte Lotte durch bis sie um Gnade fehlte.
„Darf ich mit machen“, fragte uns eine wohl bekannte Stimme. Es war Maxis Stimme. Maxi ist die Letzte von unserer Gruppe. Maxi wohnte nicht mit im Internat, weil sie hier auf den Dorf lebte. Früher gingen Lotte und Maxi zusammen in den Kindergarten. Sie war die größte von uns und normal von der Figur her. Sie selber war mit sich zufrieden. Anne meinte zwar immer sie hätte ein paar Speckröllchen, aber Maxi erwiderte dann immer lieber einbisschen zuviel als zu dünn und todessüchtig. Lotte und Maxi sagten immer Todessüchtig zu Magersucht, weil eine ihrer ehemaligen Kindergartenerzieherin an Magersucht gestorben war. Außerdem ist Maxi relativ gut in der Schule. In Sport sogar die Beste des Jahrgangs. Besser als alle Jungs. Maxi hat grüne Augen. Aber nicht irgendwelche. Nein! Sie hatte giftgrüne Augen und Maxi sprühte nur so von Energie. Und sie hatte so dunkelbraune Haare das es schon wieder Schwarz war.
Anne unterbrach Lottes Bestrafung um Maxi als erste zu umarmen. Lotte und ich folgten danach mit unserer Begrüßung. „He wenn wir schon mal hier sind, können wir doch noch gleich hier bleiben, oder“, fragte Maxi. „Wie wäre es, wenn wir uns in eine der ganz kleinen Höhlen, der Kletterfelswand setzen“, schlug ich vor. Die anderen waren einverstanden und wir gingen zu einer Stelle, wo man mehr hoch laufen als Klettern musste, um in so eine Höhle zu kommen. Natürlich waren sie nicht sehr groß, aber davor war immer Platz. Maxi holte aus den Rucksack, den sie mit hatte, eine Decke und wir setzten uns drauf. Dann nahm sie noch eine Plätzchendose heraus und wir langten zu. Schließlich waren wir noch immer hungrig vom Mittag essen, was ich unterbrochen hatte. „Danke Maxi, du bist echt unsere Rettung. Weil Paula nicht mit Ena essen wollte, mussten wir unser Mittag essen wegwerfen“, erzählte Anne. „Ihr habt Ena kennen gelernt? Sie ist nett, nicht wahr?“ „Du kennst sie“, platzte es aus mir heraus. „Ja klar. Sie wohnte mal hier. Wir sind richtig gute Freundinnen, trotz der Tatsache das sie seit einen Jahr nicht mehr hier wohnt. Aber Ena ist echt total in Ordnung. Stellt euch vor, obwohl sie eine Stunde von hier entfernt wohnt, geht sie immer noch auf ihre Schule hier. Sie lebt nämlich unter der Woche bei ihren Großeltern, damit das klappt. Wir sehen uns manchmal noch.“ „Wieso hast du uns nie von ihr erzählt“, fragte Lotte. „Na weil... weil wir uns auch nicht so oft sehen und es zu kompliziert geworden wäre. Wenn wir vier unsere Ferien nicht zusammen verbrachten, dann war ich mit ihr unterwegs. Ihr hättet auch nicht viel von ihr mitbekommen und deswegen wäre es sinnlos gewesen. Außerdem wäre sich dann Paula vernachlässig von mir vorgekommen.“ Wir waren baff. Ich fand als erstes meine Sprache wieder. „Und wieso bist du dann nicht ihre Patin.“ Maxi lächelte: „Weil... ich wollte das wir sie zu uns aufnehmen. Wenn ich ihre Patin geworden wäre, dann wäre ich nicht in der Schule da, um mich um sie zu kümmern. So bist du da. Ich hab Mia gebeten dich zu wählen, weil du so am besten damit fertig werden würdest, das ihr jetzt vier in einen Zimmer seit.“ „Aber gerade das kann ich nicht an ihr leiden und die Tatsache, das sie jetzt in deinen Bett schläft, macht es auch nicht besser. Außerdem was ist, wenn sie doch ganz anders ist und nicht so wie du glaubst. Sie hängt mit Benno rum.“ Maxi grinste: „Das überrascht mich nicht. So ist sie eben, aber ich dachte trotzdem das wir aus uns vieren fünf machen können.“ Ich fasste es nicht, was Maxi da redete. Irgendwie fühlte ich mich Übergangen. Auch wenn bei uns alles Demokratisch ging. War doch meistens ich, die Entscheidung fällte und nun hatte man über meinen Kopf hinweg entschieden. Ich war sprachlos.
„Eine Frage: Ena meinte, dass sie sich auf Max freute. Was hat sie mit ihm zu tun“, fragte Anne. Maxi zuckte mit den Schultern: „So genau weiß ich das auch nicht, nur das Max und Ena sich von früher kennen. Habt ihr euch nie gefragt, wieso Max manchmal Nachmittags unauffindbar war? Ich tippe mal drauf, das er Ena besuchte.“ „Wieso ging sie dann nicht gleich auf unsere Schule“, fragte Lotte. „Das frag ich mich auch schon. Ihr Bruder hat letztes Jahr Abi hier gemacht. Aber ich glaub Enas Eltern wollten ihre einzigste Tochter nicht auch noch aufs Internat schicken. Doch mittlerweile müssen sie es begriffen haben, das Ena hier gerne wäre und deswegen haben sie ihre Meinung geändert.“ Lotte und Anne nickten um zu zeigen, dass sie es verstanden hatten und nicht weiter fragen wollten. Die drei schauten mich an. „Ich bin absolut nicht damit einverstanden. Ich mag sie trotzdem nicht.“ Lotte lachte: „Das hast du auch mal über Anne gesagt. Aber lassen wir das Thema mal.“ Ich verdrehte meine Augen. „Ich wollte euch noch was erzählen. Also Benno hat in den Ferien...“ Dann erzählte ich erst mal was Benno und ich in den Ferien so gemacht haben. Zum Schluss dann das mit Elias`s Sms. Als ich fertig erzählt hatte, sagten Anne und Lotte wie aus einen Mund: „Aber du schreibst doch gar kein Tagebuch.“ „Ich weiß, aber Bennos Gehirn funktioniert mal wieder nicht. Er bildet sich wohl ein, dass ich so was mache.“ „Aber was wollen die dann in deinen nicht vorhandenen Tagebuch entdecken“, fragte Maxi. „Puh. Da muss ich passen. Frag mich was leichteres. Aber wartet. Dad hat mir doch vorhin Bennos Handy gegeben. Dort drinnen werden wir bestimmt die Lösung finden.“ Dann holte ich Bennos Handy heraus. Wir vier mussten grinsen. Man hätte so vieles mit Bennos Handy anstellen können. Doch wir wollten nur die Sms lesen. Als ich es heraus holte, musste ich leider feststellen das es aus war. Ich musste einbisschen überlegen wie sein Pin war. Benno war ein TTT also nicht sehr schlau. Es musste also eine Zahlenkombination sein, die leicht zu merken war. Trotzdem war nicht zu vergessen das er es geschafft hatte auf dieses Gymnasium zu gehen. Ich musste ihn also einbisschen wissen zu trauen. „Ich hab es. 98765432 ist sein Pin“, sagte ich und tippte ihn auch gleich ein. Tatsächlich 98765432 war sein Pin. „Lasst uns mal nach schauen was Benno so für Sms preis gibt“, meinte Anne grinsend. Ich wette, sie war ganz wild drauf zu lesen was die anderen Mädchen Benno so schrieben.
„Na amüsiert ihr euch auch schön mit meinen Handy“, fragte plötzlich Benno. Wieso musste er auch immer in den unpassenden Momenten auftauchen. „Schwirr ab“, sagte Maxi. „Das ist sein Handy“, erwiderte Leo, der zusammen mit Elias hinter Benno stand. Ich ließ sein Handy in meine Hosentasche gleiten. Maxi stieg langsam von der Höhle hinunter. Dann folgten ihr Anne und Lotte. Benno grinste: „Klappt doch. Wieso nicht gleich so? Jetzt fehlst nur noch du. Du gibst mir mein Handy und ich lass euch laufen. Deal?“ Ich lachte. Maxi entfernte sich immer weiter weg von Benno. Lotte und Anne stellten sich so in den Weg das Leo und Elias nicht zu Maxi konnten. Benno verdrehte die Augen. „Komm schon Paula, gib mir mein Handy wieder. Bitte.“ Ich blickte zu Maxi. Sie nickte. Jetzt war der richtige Moment. Ich holte blitzschnell das Handy aus meiner Tasche und warf es zu Maxi. Maxi fing es und rannte los. Benno brauchte einige Sekunden um zu raffen was gerade passiert war. In dieser Zeit nutzten Anne und Lotte ihre Chance und rannten Maxi hinterher. Benno checkte dann wieder was passiert war und befahl Elias aufzupassen, das ich nicht abhaue während Leo und er sein Handy zurück holen wollten.

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1.Die Neue(Part4)

„Ihr bekommt noch jemand ins Zimmer“, verkündete sie uns stolz. Anne und Lotte wechselten Blicke aus. „Und“, hakte ich weiter nach. Mia wandte sich zu mir und grinste frech: „Du liebe Paula, wirst eine Art Patin. Also du wirst sie durchs Schloss führen und ihr helfen sich hier einzugewöhnen.“ „Wieso ich?“ „Weil du hier eigentlich ansehen genießt. Niemand hat was gegen dich hat außer die Gruppe deines Bruders vielleicht. Ach und weil sie den Eindruck macht, das sie eure Gruppe zu einer netten Truppe von lieben Mädchen macht, könnte es dir nicht schaden einbisschen Zeit mit ihr zu verbringen. Also viel Spaß beim Wischen. Ich gehe dann mal und Paula! Ich will keine Klagen von ihr über dich hören. Ist das klar? Ciao.“ Ich schaute zu Anne und Lotte. “Komm schon. Das ist echt keine richtige Strafe“, wollte mich Lotte trösten. Wenn sie wüsste wie Recht sie hatte. In diesen Augenblick war es für mich keine Strafe, sondern das Ende der Welt. Seit wir auf diese Schule gingen, wohnten wir auf einen vierer Zimmer zu dritt. Es war cool und so hatten wir in den Zimmer auch irgendwie immer Platz. Und für unsere vierte im Bunde, Maxi, war das freie Bett immer als Besucherbett frei. Maxi wohnte hier im Dorf und blieb öfters mal über Nacht hier, was eigentlich unerlaubt war. Doch nun war unsere Gemütlichkeit vorbei. Ich hasste das Mädchen jetzt schon. Wir vier waren genug und meiner Meinung nach hatte sie nichts zu suchen in unseren Reich.
Während wir den Flur wischten, ließ ich meine ganze Wut über die Neue daran aus, über Benno herzuziehen und den beiden zu berichten was in meinen Ferien so los war. Doch irgendwann reichte es mir nicht mehr aus, Benno zu beschimpfen und deswegen wischte ich immer und immer wieder über das selbe Stück Fußboden. Anne und Lotte standen ein wenig hilflos daneben und überlegten wie sie mich von hundertachzig wieder auf normal bringen konnten.
„Hör mal Paula, wenn du willst dann kann ich auch dein Patinamt übernehmen. Mia wird es eh nicht erfahren“, sagte Anne. Ich schaute die beiden an. „Es geht mir doch nicht darum. Das würde ich echt gerne machen, wenn sie in einen anderen Zimmer wohnen würde. Es wäre echt egal und selbst wenn sie mit Benno zusammen kommen würde und genauso schrecklich wäre wie er, würde ich sie echt immer noch mehr leiden können als in diesen Augenblick. Sie kommt in unserer Zimmer und schläft in unseren Besucherbett. Es gibt uns nicht mehr wenn sie die ganze Zeit in unseren Zimmer hockt.“ Lotte antworte: „Paula, wie wäre es, wenn wir sie um manipulieren, so das sie eine von uns wird?“ „Quatsch. Wir sind vier und dabei bleibt es. Basta und jetzt reden wir nicht mehr darüber.“ Ein Schweigen folgte. Es war ein schreckliches Schweigen, weil ich mich durch meine Worte irgendwie abreagiert hatte, aber nicht so einfach nachgeben wollte und jetzt nicht mehr sauer sein wollte. Ich hang zwischen der Entscheidung. Und dann knurrte auch noch mein Magen ganz laut in den leisen Flur. Anne schaute mich an und grinste. „Ich würde sagen, wir gehen jetzt essen. Sauberer kann der Fußboden eh nicht werden“, sagte Lotte und auch ihr Magen knurrte. Jetzt musste mein grimmiger Gesichtsausdruck einen Grinsen weichen. Lotte schaffte das Putzzeug weg und Anne meinte: „Ihr könnt was essen, ich hab keinen Hunger.“ „Ich sag doch: Sie ist schon wieder auf Diät“, stellte ich fest und der restliche Weg zum Speisesaal wurde eine Verfolgungsjagd.
Gerade hatte sich meine Laune verbessert, da fing sie schon wieder an schlechter zu werden. Wir saßen gerade an unseren Tisch und aßen die leckeren Nudeln, als Benno, Leo und Elias in Begleitung eines Mädchens den Speisesaal betraten. Das Mädchen war in etwa so groß wie ich und schlank. Ihre schulterlangen Haare waren blond. Sie lächelte auf dem ganzen Gesicht und was mir an ihr auffiel, war das sie Augen hatte, die irgendetwas besonderes an sich hatten.
Sie erzählte irgendwas und die Jungs lachten. Dann holten sie sich ihr Essen und Elias zeigte auf uns. Die Wege der Jungs und des Mädchens trennten sich. Die Jungs steuerten einen Tisch an der zwar weit von uns entfernt war, sie aber trotzdem noch mithören konnten was wir sagten. Das Mädchen aber kam zu uns. „Hi. Ich bin Ena, die Neue. Darf ich mich setzten“, fragte sie höflich. „Klar doch“, sagte Lotte. „Aua“, rief Anne und rieb sich ihr Bein. Ich wollte Lotte noch untern Tisch treffen, aber statt ihr traf ich Anne. Aber mal ehrlich, war es nicht einbisschen gemein das Lotte sie an unseren Tisch einlud, wo ich sie doch nicht leiden konnte?
„Ich bin Charlotte, doch alle nennen mich Lotte“, stellte Lotte sich vor. „Und ich heiße Anne und mich nennen alle Anne“, erklärte Anne freundlich. Ich hätte die Augen verdrehen können, doch so unhöflich wollte ich meinen Freundinnen zu liebe nicht sein. Ena schaute mich an. Schnell stopfte ich mir eine Portion Nudeln rein um nicht antworten zu müssen. Anne trat mir unter den Tisch vors Bein als Zeichen das meine Nummer gerade nicht sehr nett war. Sie tat es so heftig das ich die Nudeln wieder auf den Teller spucken musste. „Autsch“, sagte ich empört. Dann antwortete ich widerwillig auf Enas Blick. „Ich bin...“ „Paula“, unterbrach mich Ena. Was war denn das für eine? „Man sieht das du Bennos Schwester bist. Ihr seht euch ähnlich.“ Danke für das Kompliment. Ich meine, hatte sie nicht mehr alle? Mir zu unterstellen, das ich diesen verlausten Affen ähnlich sehe.
„Woher weißt du ihren Namen“, fragte Anne interessiert. „Na ja die Jungs hatten mir als wir hier rein kamen gerade was von euch erzählt. Von Paula hat Benno ganz besonders geschwärmt. Ich glaub der ist wegen einer Sache ganz schön sauer auf dich und damit meine ich nicht das mit den Gartenschlauch.“ Das war mal wieder typisch Toilettentieftaucher Nummer 1. Benno musste allen seine Lebensgeschichte auf den Leib drücken. Wahrscheinlich hatte er Ena das mit den Handy von heute morgen erzählt oder seine Lieblingsgeschichte. Nämlich die Geschichte, wo ich ihn an unserem dritten Geburtstag das letzte Stück Kuchen weg aß.
„Erzähl doch mal was von dir“, ermunterte Lotte Ena zum Sprechen. Ena zuckte mit den Schultern und sagte: „Da gibt es nicht viel. Ich bin Ena und werde in Zukunft mit euch ein Zimmer teilen. Falls es irgendwas interessantes an mir gib, werdet ihr es sicher noch rausfinden.“ Ok, damit hatte sie uns doch eindeutig gesagt, das wir sie in Ruhe lassen sollen oder? Ich nahm es zumindest als Aufforderung an uns zu verdrücken und deswegen sagte ich: „Na dann noch viel Spaß mit den Jungs!“ Ena schaute überhaupt nicht erschrocken oder gekränkt. Nein, sie blieb sehr gelassen und meinte: „Werden wir bestimmt haben, wenn ich Max wiedersehe. Ich hoffe es wird euch nichts ausmachen, wenn ich nachher hoch aufs Zimmer gehe und mein Zeug einräume.“ Lotte schüttelte gerade den Kopf und wollte etwas erwidern als ich aufstand und den beiden mit meinen Blick zu verstehen gab, das sie mitkommen sollten. Ich weiß, das sie es ungern taten, aber sie folgten mir. Keine von uns hatte es geschafft ihr Mittagsessen auf zu essen oder zumindest soviel zu essen das wir keinen Hunger mehr hatten. Trotzdem warfen wir das leckere Essen weg und gingen nach draußen. Es redete keiner. Wir liefen erst mal hoch in unser Zimmer. Und als wir die Tür aufmachten, sagte schließlich Anne was: „Sie ist nett.“ „Nett“, fragte ich, „Nett?“ Lotte schüttelte den Kopf. „Das stimmt aber. Obwohl ich der Meinung bin, dass sie gut zu uns passen würde. Ich meine, sie wirkte nicht arrogant oder wie eine Zicke. Außerdem war es so als gehörte sie schon zu uns. Und sie ließ sich nicht anmerken, dass du absolut unfair zu ihr warst. Gibt ihr eine Chance.“ „Quark. Schaut sie euch doch mal an. Spaß werden wir haben, wenn ich Max wiedersehe. Sie wird bestimmt gerade zur Feindin gemacht von den Jungs.“ „Jetzt geht deine Fantasie mit dir durch. Wenn das deine einzige Sorge ist, dann machen wir sie eben zur Freundin. Zu einer von uns“, meinte Anne. „Da haben aber Maxi und ich noch ein Wörtchen mitzureden“, murmelte ich leise vor mich hin. Im Zimmer warf ich mich auf mein Bett und starrte die Decke an. Anne und Lotte wollten den mittlerweile besetzten vierten Schrank ausräumen, damit Ena ihre Sachen hinein legen konnte. In diesen Zimmer war eine TTT freie Zone. Das heiß nichts anderes als das, dass Betreten von Benno und seinen Untertanen strengstens verboten war. Ich tippte darauf, das spätestens morgen, wenn nicht schon heute Abend, einer von denen hier rum hüpfen würde.

28.6.08 13:27, kommentieren