4. Die Rache des Feindes(Part1)

Die restlichen Unterrichtsstunden bis zur Mittagspause gingen wie im Flug vorbei. Kaum hatte es geklingelt, da kam auch schon Benno um uns zu ärgern. "Seit ihr zufrieden", fragte er genervt. "Hättet ihr nicht gelogen, wäre es gar nicht erst so weit gekommen", entgegnete ich. "Wenn ihr verpennt, ist das nicht unsere Schuld. Wir haben nichts falsches getan. Doch ihr? Ihr geht zu Frau Kleinert und erzählt ihr das wir daran Schuld sind. Jetzt dürfen wir Nachsitzen. Danke." "Wir haben lediglich erklärt, das wir nicht geschwänzt haben, sondern nur verschlafen haben. Es ist nicht unsere Schuld, wenn sie euch dafür verantwortlich macht, was ihr angestellt habt", erwiderte ich. Benno warf jeden von uns einen bösen Blick zu und dann drehte er sich um um zu gehen. Als er weg war, sagte Anne: "Ich geh ihn nach. Ich muss mit ihm sprechen. Bitte Paula sei nicht böse." Ich schaute Anne an. Vielleicht sollte ich einfach mal nett in dieser Sache sein. "Geh", antwortete ich in einen hoffentlichen netten Ton. "Danke", meinte Anne, umarmte mich und lief Benno hinterher. "Das war nett von dir." "Danke schön Lotte." Wir zwei gingen zusammen in die Mensa. Lotte entdeckte an einen der Tische Ena und steuerte auch auf diesen zu. Ich wäre am liebsten umgedreht, doch ich lief hinter Lotte her. Maxi sollte mal sehen, das ich die bessere Freundin war und Ena auch akzeptieren konnte. Wenn ich nett zu ihr wäre, dann würde sie es Maxi sagen und nur so konnte ich gewinnen. Diesen Plan hatte ich mir im Unterricht überlegt.
"Hi", sagte Ena als wir uns neben ihr niederließen. "Hallo. Gehst dir besser", fragte ich in einen total netten Ton. "Ja, mir geht es gut. Danke der Nachfrage", entgegnete Ena. Sie klang überrascht. Ich war das übrigens auch.
"War es langweilig allein im Zimmer", fragte Lotte. "Naja...es ging. Besser als zu hause allein." "Wie gehts Maxi", fragte ich weiter. "Ich bin ihr hinterher. Sie wollte alleine sein. Aber sie wollte noch das ich euch einen Brief gebe. Den habe ich oben auf dem Zimmer." Ich lächelte tapfer weiter. "Was habt ihr den im Unterricht gemacht?" "Nichts. Hast nichts verpasst. Du sitzt neben Elias und Paula." Ena grinste. Am liebsten hätte ich sie, für dieses Grinsen, angeschrien. Ich verkniff es mir.
Doch kaum hatten wir geschwiegen, da ergriff jemand unerwartet das Wort: Tom! Er stand hinter mir.
"Na Mädels?? Mein Kumpel Jim und ich dürfen uns doch neben euch setzten, oder?" Ohne die geringste Chance "nein" zu sagen, ließen sie sich neben uns nieder. Mann, was wollten die nur von uns? Es gibt in dieser schule mindestens 50 freie Tische und diese beiden...naja dieser eine idiot(gegen Jim hatte ich eigentlich nichts), musste sich gerade an unseren Tisch setzten. Nein, das war mir einfach zu komisch. Irgendwas musste da doch falsch sein! Was war denn nur los?
"Sagt mal wo ist denn Anne", beantwortete Tom meine Frage. "Falls es dir noch nicht aufgefallen ist", antwortete Ena, "Anne will nichts mehr von dir. Lass sie in Ruhe!" "Könnet ihr mal das Geheimniss lüften woher ihr euch kennt", fragte Lotte. "Genau ENA! Erzähl mal woher du Jim, Max und mich kennst! Das wäre sicher eine interessante Geschichte", sagte Tom. "Lass sie", murmelte Jim so leise, das es nur Tom, der neben ihn saß und ich,die auch neben ihm saß, mitbekamen. Jim war eigentlich Tom's bester Kumpel. Außerdem war er unser Gummibärchendealer. Seinen Vater gehörte eine Gummibärchenfabrik und damit machte Jim hier Geschäfte. Das lohnt sich auch, weil Jims Vater nämlich auf außergewöhnliche Kreationen steht. Lotte hatte zum Beispiel mal Gummibärchen mit Pizzageschmack bekommen. Alles in allen würde ich sagen, das Jim eigentlich schon ein ziemlicher cooler Typ ist.
"Tom, lass mich in Ruhe. Lass Anne in Ruhe. Das hier ist nicht dein Herrschaftsbereich. Und wenn du unbedingt eine Geschichte hören willst, dann erzähl doch mal wieso eure Eltern euch hierher geschickt haben!" Tom schaute Ena an. "Wissen deine neuen Freundinnen was du so schönes gemacht hast?" "Tom, lass sie in Ruhe. Ich bitte dich. Hör auf was zu sagen. Komm wir haben besseres zu tun. Wir suchen Gustav." Tom drehte sich von Ena weg und sagte zu Jim: "Das gerade du sie verteidigst, hätte ich nicht gedacht. Weißt du nicht mehr was sie gemacht hat. Und falls du es nicht mitbekommen hast, sie ist nicht zu uns gekommen. Sie hängt mit Max rum. Aber bitte, lass uns gehen!" Tom stand auf, nahm sein Essen und suchte sich einen neuen Sitzplatz. Jim folgte ihn ohne uns auch nur einmal anzusehen. Wir dagegen blieben verwundert zurück. "Ena", fragte Lotte vorsichtig. "Glaubt mir, Tom spielt das alles viel zu hoch. Bitte fragt nicht weiter." Dann wandte sich Ena wieder ihren Essen zu. "Ähm ja... sag mal, wenn du Tom doch eigentlich nicht magst, wieso saß du gestern dann mit ihm und Max an einen Tisch", fragte ich trotz ihrer Bitte. "Wegen Max halt. Er wollte das wieso auch immer."

Nachdem Unterricht war AG-Zeit. Jeder von uns sollte sich mindestens zwei AgGs aussuchen. Als wir in der fünften Klasse waren, hatten wir eine Wette verloren und deswegen mussten wir die AG Fussball wählen. Schließlich sind Wettschulden für uns Ehrenschulden. Auf jeden Fall fanden wir das zu erst total dumm, aber dann entdecken wir das Fussball total cool ist. Deshalb wählten wir seit der fünften Klasse immer Fussball als AG. Mädchen und Jungen trainierten getrennt.
In der AG war alles wie immer nur mit dem Unterschied, das uns mitteilt wurde das unsere AG ein neues Mitglied hatte: Ena. Doch trotzdem war sie ja nicht da, da sie krank war. Ich fand das nicht sehr schlimm. Anne erzählte in der AG nicht viel von Benno und ihr. Das war ja mal wieder typisch. Ich wette heute Nacht wird sie uns wecken um uns alle Einzelheiten zu erzählen. Doch der Rest des Abends verlief ruhig. Ich behielt sogar die Fassung als wir in das Zimmer kamen und dort Max und Ena waren. Max hatte heute anscheinend auch einen guten Tag. Sobald wir kamen, verließ er das Zimmer.
"Hatte Max nicht AG", fragte Anne unauffällig. "Nein. Heute hatte er Ausfall, weil er mir Schulaufgaben erklären sollte", sagte Ena. Anne, Lotte und ich wechselten Blicke aus. "Schulaufgaben. Das hätten wir dir auch erklären können", sagte Lotte. "Ist schon in Ordnung. Max macht das gerne und ich möchte euch echt nicht als Last an fallen. Ist aber schon blöd das ich gerade die erste Woche fehle", sagte Ena. Ich verkniff mir irgendein Kommentar. "Wo ist eigentlich der Brief, den Maxi hier gelassen hat?" "Oh, ich muss ihn erst noch suchen. Vorhin hab ich ihn noch gesehen, aber in meiner Unordnung verschlampe ich alles." Maxis Brief verschlammt? Wie konnte sie nur? Was ist, wenn da was wichtiges drinnen gestanden hat? Zeit um mit Max "Schulaufgaben" zu machen hat sie, aber wenn es um einen wichtigen Brief geht, dann verschlampt sie ihn. Ich schaute sie an wie sie da saß mit ihren Lächeln und den Unschuldsengel spielte. Für einen Moment überlegte ich ob es irgendwas ändern würde, wenn ich sie anschreien würde, doch entschied ich mich um. Ich würde weiterhin nett zu ihr sein um Maxi zu beweisen das ich das konnte.
Der restliche Abend verlief dann ruhig. Auch passierte komischer Weise auch nichts bis zum Wochenende. Da Ena krank war, fand man Max seinen freien Tag meist in unseren Zimmer verbringen. Zu dieser Zeit versuchte ich es zu vermeiden in das Zimmer zu gehen. Maxis Brief schien wie verschwunden, aber Ena versprach den Brief zu finden bis zum Wochenende, deswegen war ich schon sehr gespannt darauf. Da auch Maxi krank war, wollten wir am Wochenende bei ihr vorbei schauen und ihr die Aufgaben bringen. Mit dieser Vorstellung von dem Wochenende wachte ich Samstagmorgen auf. Das erste was ich entdeckte war Annes leeres Bett. In mir kam ein Gedanke, das Anne eventuell bei Benno sein könnte. Doch auch das konnte mir meinen Tag nicht verderben. Ich stand auf und ging ins Bad um mich fertig zu machen. Erst nachdem ich das getan hatte, warf ich einen Blick auf die Uhr. Es war gerade erst mal sieben. Um sieben aufstehen? Am Wochenende? So was gab es bei mir doch nicht. Ich beschloss eine Runde Fussball spielen zu gehen. Was sollte man sonst Samstag morgen so früh machen? Wir hatten uns ausgemacht gegen elf zu Maxi zu gehen und bis dahin war noch einige Zeit.
So wachte ich Samstagsmorgen auf und lief durchs Dorf zum Sportplatz. Als ich dort war, bemerkte ich das ich den Fussball vergessen hatte. So ein Mist auch. Jetzt konnte ich wieder zurück gehen. Vor Wut trat ich ins Gras. Ein Stück des Rasens flog in die Luft. Darunter befand sich ein Loch in den ein Fussball versteckt war. Aber es war nicht irgendein Fussball. Es war Bennos Fussball. Das erkannte ich, weil Benno seinen Ball einmal Metallicrot gesprüht hatte.
Ich überlegte nicht lange und schon nahm ich den Ball und schoss ins leere Tor. Es erklang das bekannte 'pling' und ich war zufrieden sehr sogar.
Wie lange ich gespielt habe, wusste ich nicht. Aber ich wette, ich bräuchte bestimmt eine Stunde um das Versteck von Bennos Ball wieder zu finden. Eigentlich hätte ich ihn den Ball "ausleihen" können, aber ich dachte es wäre sinnvoller ihn dort zu behalten. Nachdem Fussballspiel lief ich wieder zurück ins Internat.
Als erstes begegnete ich Elias. Ich sah ihn und schaute sofort weg. Der hatte mir geade noch gefehlt. Einen auf Kavalier machen und dann Bennos dumme Streiche mitmachen. "Hey Paula", begrüßte mich Elias, der stehen blieb. "Morgen", antwortete ich ein wenig hilflos. Was hätte ich tun sollen? Vielleicht wäre einfach weitergehen besser gewesen. "Wieso bist du denn nicht essen mit Lotte, Anne und Ena", fragte Elias. "Weil...ach ist doch egal oder." "Naja ich glaube sie suchen dich. Scheinst heute morgen es ja auch eilig gehabt zu haben." "Hast du mich gesehen", fragte ich. "Ähm... also ja." "Hast du mich beobachtet", fragte ich. "Nein, natürlich nicht. Ich hab es halt zufällig gesehen." "Morgens um sieben? Am Wochenende." "Ich bin halt wach geworden und habe aus dem Fenster raus geguckt. Was machst du Samstag morgens so früh draußen." "Bin ich jetzt im Verhör...." "Hallo Paula", hörte ich eine zweite Stimme. Der Person der die Stimme gehörte war auch nicht gerade anhänger der Liste: "Mit denen will ich Samstagmorgens unbedingt noch reden bevor ich zu Maxi gehe." "Morgen Tom", sagte ich. "Sorry, das ich einfach so abgehauen bin als ich bei euch saß, kleine", sagte er. "Ich bin nicht klein." Langsam wurde mir das hier echt zu dumm. "Ich kann doch sicher trotzdem mit dir reden, oder." Wow, er gab mir endlich die Chance zu sagen: Lass mich in Ruhe. "Jungs folgendes: Elias, was ich mache ist vollkommen egal. Schön das du mich begrüßt hast, aber ich habe noch etwas anderes zu erledigen. Zu dir Tom: Lass mich in RUHE!!! Suche dir Freunde, die du nerven kannst, aber bitte bitte: nicht mich!" Ich holte Luft, drehte mich um und ging. Wieso war auf einmal alles so anders. Alles so schrecklich hier. Mein Bruder nervte bis zum Ende, Elias suchte meine Nähe(und will lieber nicht darüber nachdenken wieso), dieses verdammte Teegefühl fing an Dauergast in meinen Bauch zu werden, Max hing die ganze Zeit in unseren Zimmer ab, Ena musste in unseren Zimmer wohnen, Anne war mal wieder unendlich und für immer in Benno verschossen, Maxi war krank, Gustav gab sich mit Idioten ab und Tom ging mir total auf die Nerven.

26.7.08 23:47

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