2. Maxis Problem(Part3)

„Wenn du sie nicht fragst ob sie mit will, dann tu ich das“, meinte Maxi. „Ich mach es ja schon“, antwortete ich genervt. Mit diesen Worten setzten wir uns in Bewegung. Wir wollten Ena suchen, damit ich sie dann fragen konnte ob sie mit will. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich hoffte, das wir Ena nicht finden würden oder wenn doch, dass sie keine Lust hätte mitzukommen. Doch wir fanden sie. Sie kam uns auf dem Weg zu unseren Zimmer entgegen. „Hi“, sagte sie und wollte weiter gehen. „Warte“, rief ich ihr zu. Sie drehte sich um. Ena blickte uns an. In ihren Blick lag etwas seltsames. Ihr Gesicht lächelte zwar, aber ich sah ihr in die Augen. Ihre Augen sagten mir etwas wie: „Ich hab euch doch schon genug gestört. Lasst mich einfach allein sein.“ Als sie mitbekam das ich es erkannte, schaute sie aus dem Fenster. „Wir wollten dich fragen, ob du mit ins Eiscafe kommst. Nicht das oben am Schlossberg, sondern das andere.“ Ena antwortete nicht sofort, dann sagte sie: „Wollt ihr das wirklich oder ist das nur eine Wohltätigkeit.“ Die Frage ging an mich, dass wusste ich. Trotzdem antwortete Maxi: „Ja klar wollen wir das. Sonst hätten wir dich doch nicht gefragt, oder?“ „Sicher? Ich will euch nicht als Last anfallen.“ „Sicher“, antworte ich auf Enas Frage. Die anderen schauten mich verwundert an. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass ich nachgeben würde.
„Haben wir dir eigentlich schon erzählt, das wir es Ena zu verdanken haben, das Leo und Benno von unserer Tür abgezogen sind“, fragte Anne. Wir saßen an unseren Stammtisch im Eiscafe. Lustiger Weiße hatten wir alle fünf Cafe Latte bestellt.
„Echt“, fragte ich verwundert nach. Das hatte mir keiner erzählt. Ich schaute zu Ena, die gerade einen großen Schluck von ihren Latte nahm. „Echt. Das hättest du mal hören sollen wie Ena, das gemacht hatte.“ Ena lief Rot an. „Quatsch. Ich wette Paula hätte es hundert mal besser gemacht“, antwortete sie darauf. „Sei doch nicht so bescheiden“, sagte Maxi. Lotte stimmt zu einen Tost an: „Auf das coolste zweite Halbjahr aller Zeiten.“ Und wir alle stießen unsere Tassen aneinander. Maxi machte das mit soviel Energie, das etwas ihres Lattes überschwappte. Der warme Cafe landete auf meiner Hand, wobei ich fast die Tasse fallen ließ. In letzter Sekunde hielt ich sie dann doch fest und wir mussten kichern. Eigentlich war nichts gegen Ena aus zusetzten. Wie Maxi gesagt hatte, würde sie perfekt zu uns passen. Trotzdem gab es immer noch etwas in mir was gegen sie war. Vielleicht war es die Tatsache, das Maxi und Ena von ihren zusammen Erlebten erzählten und ich mich irgendwie ausgeschlossen fühlte. Ena war nett, doch wenn sie mit zu uns gehören würde, dann wären wir fünf und das würde bedeuten, das sich eine wie das fünfte Rad am Wagen fühlen würde. Ok, wir waren beste Freundinnen und niemand würde verletzt werden, wenn man es so sieht. Es war bloß so, das jeder von eine in der Gruppe hatte, der sie mehr Geheimnisse erzählte als den anderen. Oder zumindest Geheimnisse erst ihr anvertraute, bevor sie den anderen mitteilte. Und wenn wir in der Schule mal zweier oder vierer Gruppen bilden müssten, dann würde eine übrig bleiben. Anne und Lotte waren wie Zwillinge und Maxi und Ena machten in diesen Augenblick, den gleichen Eindruck. Dann würde ich meine Stellung verlieren und ich wäre, das fünfte Rad am Wagen während Ena langsam und gemütlich mir meine besten Freundinnen wegschnappte.
„Maxi, müssen wir nicht noch dein Zeug holen. Maxi will schließlich nachher bei uns übernachten“, unterbrach ich gerade eine Geschichte von Ena und Maxi. „Aber dafür ist doch noch Zeit“, stöhnte Maxi, „Paula, lass uns erst mal zu Ende erzählen. Ok? Dann reden wir darüber.“ Ich schaute Maxi an. War es wirklich meine Maxi? Meine Maxi, die sich von mir abwendete? Ich konnte es nicht fassen. Die Feindliche Übernahme von Ena hatte anscheinend schon begonnen.
„Ich gehe mal aufs Klo. Will jemand mit“, fragte ich in die Runde. Ich brauchte jemand, der mir zu hörte. Doch keiner meiner Freundinnen machte Anstalten mir zu folgen. Ich schaute noch einmal in die Runde und dann ging ich- allein. Als in der Toilette war, beugte ich mich übers Waschbecken. Ich ließ ein bisschen Wasser einlaufen um es mir dann ins Gesicht zu spritzen. Ena musste weg. Wenn meine Freundinnen es nicht merkten, dann musste ich sie alleine von unserer Gruppe weglocken. Ich wettete, das sie im Zickenzimmer fiel besser aufgehoben war. Und wenn ich es geschafft hatte sie dort unterzubringen, dann würde ich auch nichts mehr gegen sie haben. Doch wie konnte ich das nur anstellen? Ich wusste es einfach nicht. Wahrscheinlich war es besser ich würde wieder raus gehen. Und das tat ich auch. Ich ging wieder zu unseren Tisch, wo Anne und Lotte ein paar unserer erlebten Sachen erzählten. Ich setzte mich hin und hörte zu.
Auf einmal tippte mich jemand an. Ich drehte mich erwartungsvoll um, denn Anne, Lotte, Ena und Maxi redeten nun schon seit geschlagenen 15 Minuten über unsere vergangenen Erlebnisse und weil mich das einfach nur noch total aufregt, hatte ich beschlossen, einfach gar nicht mehr zu zuhören. Ich drehte mich also gespannt um und sah.....Gustav! Den hatte ich nun echt überhaupt nicht erwartet, aber wo er mich schon mal aus meiner Langeweile gerettet hatte, konnte ich ja jetzt auch mit ihm sprechen, aber das machte er schon von ganz allein: „Kannst du mir mal 5 Euro leihen? Bitte, bitte!“ Dann bemerkte ich, dass er hier gerade mit Tom(Max großen Stiefbruder) herein geschneit gekommen war. Diese Gelegenheit nutzte ich natürlich und gab ich ihm die 5 Euro nicht gleich. Stattdessen flüsterte ich ihm zu: „Hey, seit wann hängst DU denn mit Tom rum?“ „Na, weil ich und Tom Kumpel sind und jetzt gib mir das Geld, was mir zusteht.“ „Und seit wann seit IHR Kumpel?“ „Seit wann bist du so neugierig?“ „Seit heute Vormittag um 11!“, sagte ich langsam genervt. „Ja, aber was war denn heute Vormittag um 11Uhr so Schlimmes?“ „Wieso bist du denn auf einmal sooo neugierig?“ Gustav sah mich böse an und sagte schließlich: „Leihst du mir das Geld oder nicht?“ „Wenn ich es spätestens morgen wieder bekomme, kannst du es sogar schon jetzt sofort haben“, sagte ich grinsend und gab ihm das Geld. Er nahm es, machte aber keine anstalten sich zu bewegen. "Ist noch was", fragte ich. Gustav schüttelte den Kopf und verzog sich in eine der hintersten Ecken. "Tschau Ena. Mädels", sagte Tom, bevor er sich zu Gustav setzte. Ich wittmete meine Aufmerksamkeit, auch wenn ich wegen Tom einbisschen verwundert war, wieder unserer netten und sehr interessanten Gesprächsrunde, doch meine Freundinnen und Ena schauten mich verwundert an. „Was hat denn dein Bruder mit meinem Ex zu tun?“, fragte Anne. Mich wunderte es nicht, das Anne nach ihren Exfreund fragte. Am Anfang dieses Schuljahres waren Tom und Anne ein Paar gewesen. Doch irgendwann verliebte Anne sich in jemand anderes und sie trennte sich von ihm. Seitdem prügelte er sich öfters mit den Jungs, die in Anne verliebt waren. Dazu fiel mir Benno ein. So sehr ich ihn auch nicht leiden konnte, ich wünschte ihm keine Prügelei mit Tom.
„Das wusste er auch nicht so genau...er war zu neugierig“, beantwortete ich die Frage, die ich auch Gustav gestellt hatte. „Lasst uns gehen“, sagte Maxi, die großzügiger Weise die Rechnung bezahlte.
Am Schlossberg trennten sich unsere und Enas Wege. Ena ging „leider“ zurück ins Internat, weil sie meinte das es besser wäre, wenn wir Zeit für uns hätten. Wir vier aber gingen zu Maxi, ihre Sachen holen. Zusammen bogen wir in eine neugemachte Straße. Überall wurden wir von Hunden angebellt. Nur an einem Haus konnte man vorbei gehen ohne angebellt zu werden. Es war das Haus indem Maxi und ihre Familie wohnte. Maxis Familie besaß zwar keine Hunde, aber dafür einen wunderschönen Vorgarten. Wie oft waren wir hier. Wie oft war alles friedlich und ruhig. Doch nun sollte alles vorbei sein. Einst war es eine heile Familienwelt, doch nun war sie zerbrochen.
Wir standen zwar draußen vor dem Haus, doch trotzdem konnte man ihre Eltern streiten hören. Peinlich berührt standen Anne, Lotte und ich vor dem Haus. „Sollen wir nicht lieber draußen warten“, fragte Lotte. Maxi schüttelte den Kopf. „Ihr müsst mit kommen. Alleine schaffe ich das nicht.“ Wir folgten Maxi ins Haus. Schon in der Tür konnte man deutlich ihren Streit ihrer Eltern Wort für Wort mitverfolgen. Sie stritten übers Geld. Maxi winkte uns schnell hoch in ihr Zimmer. Dort drinnen bekamen wir unterschiedliche Aufgaben, damit es schneller ging. Anne musste in den Keller, um Schlafsack und Luftmatratze zu holen. Lotte sollte ins Bad gehen, um Maxis Waschzeug zusammen zu packen. Und ich sollte bei ihr bleiben. Irgendwie war es klar das jemand bei ihr bleiben musste unter diesen Umständen. Das es gerade ich war, zeigte mir das ich doch nicht so überflüssig war. „Kannst du mir mal bitte meinem roten Schlafanzug und meine Kuschelsocken geben“, fragte Maxi. Ich ging zu ihrem Schrank und holte ihren Schlafanzug. „Wie lange streiten sich deine Eltern eigentlich schon“, fragte ich sie, obwohl ich es im nächste Augenblick schon wieder bereute. „Seit Ende November“, erwiderte sie traurig. Als sie es sagte, konnte sie mich nicht anschauen. Ich konnte sie echt verstehen. Wer lacht schon, wenn seine eigene Familie von einem Tag zum anderen einfach so zerbricht? Eigentlich hätte ich mir die nächste Frage verkneifen sollen, doch ich wollte es unbedingt wissen. „Warum hast du es nicht wenigstens mir früher erzählt?“ Doch Maxi packte weiter verbissen ihre Schultasche und tat so, als hätte sie es überhöhrt. Ich wollte eigentlich noch mal fragen, doch in diesem Moment verstummten die Stimmen ihrer Eltern. „Maxi? Bist du da“, rief ihre Mutter von unten aus dem Wohnzimmer. Maxi ging zur Treppe und antwortete: „Ich schlafe wieder in der Schule.“ „Ist in Ordnung, mein Schatz. Bis morgen dann.“ Mit diesem Worten ging sie wieder ins Wohnzimmer, um mit ihren Mann weiter zu streiten. Maxi kam zurück ins Zimmer. „Also ich hab alles. Lass uns ins Internat gehen.“ Ich nickte. Dann gingen wir nach unten , wo Anne und Lotta schon auf uns warteten. Wir wollten gerade losgehen, als wir Geschirr zerbrechen hörten. Maxi ließ ihr Zeug fallen und rannte ins Wohnzimmer. „Ihr streitet den ganzen Tag! Ihr merkt doch überhaupt nicht mehr, dass es mich noch gibt!! Ihr seit echt bescheuert. Immer diese Kinderrein. Es macht mich fertig, zu sehen wie ihr euch jedes Mal bekriegt. Euern Streit tu ich mir nicht mehr an. Ich hasse euch. Ich hasse euch dafür. Ich hasse euch für alles was ihr mir angetan habt! Spart euch eure Lügen. Die kann ich nicht mehr hören. ICH HASSE EUCH.“ Damit nahm sie die teure Obstschale samt der Kokosnuss aus dem Supermarkt und schleuderte sie durch das riesige Wohnzimmerfenster! Wir hörten die Glasscheibe zersplittern. Dann stürmte Maxi an uns vorbei. Sie rannte durch die Haustür und hörte nicht auf zu laufen. Wir sahen uns ratlos an. Kurz entschlossen rannte Lotte ihr hinterher. Maxis Eltern fingen wieder an zu streiten. „Boah die regen mich auf. Eltern lassen sich immer über uns Kinder aus: Was wir besser machen könnten und wie wir uns zu verhalten haben, aber sie selbst können nicht mal die einfachsten Dinge ruhig angehen“, schrie ich. Anne schaute mich schockiert an und flüsterte: „Musste das denn gerade jetzt raus?“ Mir wurde klar, dass Maxis Eltern es auch gehört haben mussten. Ihre Eltern kamen aus dem Wohnzimmer. Für kurze Zeit war Stille zwischen Maxis Eltern. Dann führten sie ihr Wortgefecht weiter.

28.6.08 13:29

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