1.Die Neue(Part4)

„Ihr bekommt noch jemand ins Zimmer“, verkündete sie uns stolz. Anne und Lotte wechselten Blicke aus. „Und“, hakte ich weiter nach. Mia wandte sich zu mir und grinste frech: „Du liebe Paula, wirst eine Art Patin. Also du wirst sie durchs Schloss führen und ihr helfen sich hier einzugewöhnen.“ „Wieso ich?“ „Weil du hier eigentlich ansehen genießt. Niemand hat was gegen dich hat außer die Gruppe deines Bruders vielleicht. Ach und weil sie den Eindruck macht, das sie eure Gruppe zu einer netten Truppe von lieben Mädchen macht, könnte es dir nicht schaden einbisschen Zeit mit ihr zu verbringen. Also viel Spaß beim Wischen. Ich gehe dann mal und Paula! Ich will keine Klagen von ihr über dich hören. Ist das klar? Ciao.“ Ich schaute zu Anne und Lotte. “Komm schon. Das ist echt keine richtige Strafe“, wollte mich Lotte trösten. Wenn sie wüsste wie Recht sie hatte. In diesen Augenblick war es für mich keine Strafe, sondern das Ende der Welt. Seit wir auf diese Schule gingen, wohnten wir auf einen vierer Zimmer zu dritt. Es war cool und so hatten wir in den Zimmer auch irgendwie immer Platz. Und für unsere vierte im Bunde, Maxi, war das freie Bett immer als Besucherbett frei. Maxi wohnte hier im Dorf und blieb öfters mal über Nacht hier, was eigentlich unerlaubt war. Doch nun war unsere Gemütlichkeit vorbei. Ich hasste das Mädchen jetzt schon. Wir vier waren genug und meiner Meinung nach hatte sie nichts zu suchen in unseren Reich.
Während wir den Flur wischten, ließ ich meine ganze Wut über die Neue daran aus, über Benno herzuziehen und den beiden zu berichten was in meinen Ferien so los war. Doch irgendwann reichte es mir nicht mehr aus, Benno zu beschimpfen und deswegen wischte ich immer und immer wieder über das selbe Stück Fußboden. Anne und Lotte standen ein wenig hilflos daneben und überlegten wie sie mich von hundertachzig wieder auf normal bringen konnten.
„Hör mal Paula, wenn du willst dann kann ich auch dein Patinamt übernehmen. Mia wird es eh nicht erfahren“, sagte Anne. Ich schaute die beiden an. „Es geht mir doch nicht darum. Das würde ich echt gerne machen, wenn sie in einen anderen Zimmer wohnen würde. Es wäre echt egal und selbst wenn sie mit Benno zusammen kommen würde und genauso schrecklich wäre wie er, würde ich sie echt immer noch mehr leiden können als in diesen Augenblick. Sie kommt in unserer Zimmer und schläft in unseren Besucherbett. Es gibt uns nicht mehr wenn sie die ganze Zeit in unseren Zimmer hockt.“ Lotte antworte: „Paula, wie wäre es, wenn wir sie um manipulieren, so das sie eine von uns wird?“ „Quatsch. Wir sind vier und dabei bleibt es. Basta und jetzt reden wir nicht mehr darüber.“ Ein Schweigen folgte. Es war ein schreckliches Schweigen, weil ich mich durch meine Worte irgendwie abreagiert hatte, aber nicht so einfach nachgeben wollte und jetzt nicht mehr sauer sein wollte. Ich hang zwischen der Entscheidung. Und dann knurrte auch noch mein Magen ganz laut in den leisen Flur. Anne schaute mich an und grinste. „Ich würde sagen, wir gehen jetzt essen. Sauberer kann der Fußboden eh nicht werden“, sagte Lotte und auch ihr Magen knurrte. Jetzt musste mein grimmiger Gesichtsausdruck einen Grinsen weichen. Lotte schaffte das Putzzeug weg und Anne meinte: „Ihr könnt was essen, ich hab keinen Hunger.“ „Ich sag doch: Sie ist schon wieder auf Diät“, stellte ich fest und der restliche Weg zum Speisesaal wurde eine Verfolgungsjagd.
Gerade hatte sich meine Laune verbessert, da fing sie schon wieder an schlechter zu werden. Wir saßen gerade an unseren Tisch und aßen die leckeren Nudeln, als Benno, Leo und Elias in Begleitung eines Mädchens den Speisesaal betraten. Das Mädchen war in etwa so groß wie ich und schlank. Ihre schulterlangen Haare waren blond. Sie lächelte auf dem ganzen Gesicht und was mir an ihr auffiel, war das sie Augen hatte, die irgendetwas besonderes an sich hatten.
Sie erzählte irgendwas und die Jungs lachten. Dann holten sie sich ihr Essen und Elias zeigte auf uns. Die Wege der Jungs und des Mädchens trennten sich. Die Jungs steuerten einen Tisch an der zwar weit von uns entfernt war, sie aber trotzdem noch mithören konnten was wir sagten. Das Mädchen aber kam zu uns. „Hi. Ich bin Ena, die Neue. Darf ich mich setzten“, fragte sie höflich. „Klar doch“, sagte Lotte. „Aua“, rief Anne und rieb sich ihr Bein. Ich wollte Lotte noch untern Tisch treffen, aber statt ihr traf ich Anne. Aber mal ehrlich, war es nicht einbisschen gemein das Lotte sie an unseren Tisch einlud, wo ich sie doch nicht leiden konnte?
„Ich bin Charlotte, doch alle nennen mich Lotte“, stellte Lotte sich vor. „Und ich heiße Anne und mich nennen alle Anne“, erklärte Anne freundlich. Ich hätte die Augen verdrehen können, doch so unhöflich wollte ich meinen Freundinnen zu liebe nicht sein. Ena schaute mich an. Schnell stopfte ich mir eine Portion Nudeln rein um nicht antworten zu müssen. Anne trat mir unter den Tisch vors Bein als Zeichen das meine Nummer gerade nicht sehr nett war. Sie tat es so heftig das ich die Nudeln wieder auf den Teller spucken musste. „Autsch“, sagte ich empört. Dann antwortete ich widerwillig auf Enas Blick. „Ich bin...“ „Paula“, unterbrach mich Ena. Was war denn das für eine? „Man sieht das du Bennos Schwester bist. Ihr seht euch ähnlich.“ Danke für das Kompliment. Ich meine, hatte sie nicht mehr alle? Mir zu unterstellen, das ich diesen verlausten Affen ähnlich sehe.
„Woher weißt du ihren Namen“, fragte Anne interessiert. „Na ja die Jungs hatten mir als wir hier rein kamen gerade was von euch erzählt. Von Paula hat Benno ganz besonders geschwärmt. Ich glaub der ist wegen einer Sache ganz schön sauer auf dich und damit meine ich nicht das mit den Gartenschlauch.“ Das war mal wieder typisch Toilettentieftaucher Nummer 1. Benno musste allen seine Lebensgeschichte auf den Leib drücken. Wahrscheinlich hatte er Ena das mit den Handy von heute morgen erzählt oder seine Lieblingsgeschichte. Nämlich die Geschichte, wo ich ihn an unserem dritten Geburtstag das letzte Stück Kuchen weg aß.
„Erzähl doch mal was von dir“, ermunterte Lotte Ena zum Sprechen. Ena zuckte mit den Schultern und sagte: „Da gibt es nicht viel. Ich bin Ena und werde in Zukunft mit euch ein Zimmer teilen. Falls es irgendwas interessantes an mir gib, werdet ihr es sicher noch rausfinden.“ Ok, damit hatte sie uns doch eindeutig gesagt, das wir sie in Ruhe lassen sollen oder? Ich nahm es zumindest als Aufforderung an uns zu verdrücken und deswegen sagte ich: „Na dann noch viel Spaß mit den Jungs!“ Ena schaute überhaupt nicht erschrocken oder gekränkt. Nein, sie blieb sehr gelassen und meinte: „Werden wir bestimmt haben, wenn ich Max wiedersehe. Ich hoffe es wird euch nichts ausmachen, wenn ich nachher hoch aufs Zimmer gehe und mein Zeug einräume.“ Lotte schüttelte gerade den Kopf und wollte etwas erwidern als ich aufstand und den beiden mit meinen Blick zu verstehen gab, das sie mitkommen sollten. Ich weiß, das sie es ungern taten, aber sie folgten mir. Keine von uns hatte es geschafft ihr Mittagsessen auf zu essen oder zumindest soviel zu essen das wir keinen Hunger mehr hatten. Trotzdem warfen wir das leckere Essen weg und gingen nach draußen. Es redete keiner. Wir liefen erst mal hoch in unser Zimmer. Und als wir die Tür aufmachten, sagte schließlich Anne was: „Sie ist nett.“ „Nett“, fragte ich, „Nett?“ Lotte schüttelte den Kopf. „Das stimmt aber. Obwohl ich der Meinung bin, dass sie gut zu uns passen würde. Ich meine, sie wirkte nicht arrogant oder wie eine Zicke. Außerdem war es so als gehörte sie schon zu uns. Und sie ließ sich nicht anmerken, dass du absolut unfair zu ihr warst. Gibt ihr eine Chance.“ „Quark. Schaut sie euch doch mal an. Spaß werden wir haben, wenn ich Max wiedersehe. Sie wird bestimmt gerade zur Feindin gemacht von den Jungs.“ „Jetzt geht deine Fantasie mit dir durch. Wenn das deine einzige Sorge ist, dann machen wir sie eben zur Freundin. Zu einer von uns“, meinte Anne. „Da haben aber Maxi und ich noch ein Wörtchen mitzureden“, murmelte ich leise vor mich hin. Im Zimmer warf ich mich auf mein Bett und starrte die Decke an. Anne und Lotte wollten den mittlerweile besetzten vierten Schrank ausräumen, damit Ena ihre Sachen hinein legen konnte. In diesen Zimmer war eine TTT freie Zone. Das heiß nichts anderes als das, dass Betreten von Benno und seinen Untertanen strengstens verboten war. Ich tippte darauf, das spätestens morgen, wenn nicht schon heute Abend, einer von denen hier rum hüpfen würde.

28.6.08 13:27

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