3. Einmal TTT, immer TTT

Unser Jahrgang hatte gegen circa um neun Lichtschluss, das Mia gegen neun alle Zimmer abklapperte die Lichtschluss haben sollten. Lichtschluss heißt nichts anders als dass, das Licht um eine Gewisse Zeit aus sein soll und man noch sehr leise tuscheln darf. Wenn alles leise war, setzte sie sich meist in einen der zwei Gemeinschaftsräume im Schloss um sich mit den anderen zu unterhalten, über die Probleme der jeweiligen Schüler oder um sich selbst auszuruhen. Unsere Schule hatte ein Aufgabensystem. Ab einer bestimmten Klasse musste man bestimmte Aufgaben erledigen. Zum Beispiel musste man ab der elften Klasse eine Schlafaufsicht machen. Das hieß das man, wenn man Aufsicht hatte, sich in einen der Gänge, wo Schüler bis zur Klasse zehn wohnten, hinsetzte und wenn es irgendwo zu laut wurde, man an die Tür klopfte und Verwarnungen und manchmal sogar Strafen aussprach. Man musste solange in den Gang verbringen bis die Nachtzeit der nächstgrößeren Klasse angebrochen war. Wenn aber jemand zu dieser Zeit immer noch wach war, wurde Mia geholt, die es dann regelte. An unseren „Arbeitsbrett“ stand immer aus, wer wann seine Arbeit hat. Normal war es so, das die Mädchen im Mädchenflur wachten und die Jungs im Jungenflur. Gelegentlich kam es aber vor, das irgendjemand mit der Zeit unzufrieden war oder krank oder sonst etwas hatte, was ihn dazu brachte die Wache mit jemand anderen zu tauschen. Heute Nacht war so ein Tag. Irgendjemand hatte mit Gustav getauscht und nun sollte er, wenn es so weit war, Wache in unseren Flur halten. Das konnte nur gutes bedeuten, denn schließlich konnten wir erstens laut sein, ohne das jemand Mia holte und Maxi konnte hier übernachten ohne das wir sehr vorsichtig sein mussten, da Gustav uns sicher nicht verpetzen würde. Darauf freuten wir uns schon den ganzen Tag. Anne bezog gerade ihr Bett als es uns wieder einfiel. Lotte, die sich gerade in ihre Bettdecke gekuschelt hatte, schreckte hoch. "Was ist denn los", fragte Maxi. "Gustav hat doch heute Abend Aufsicht, oder?" "Du hast recht", bestätigte ich ihre Aussage, "Das heißt also so etwas wie Narrenfreiheit. Danke Lotte. Wenn du es nicht gesagt hättest, hätte ich es vergessen." Lotte wälzte sich aus ihren Bett und grinste. "Dafür hast du ja mich." Dann stand sie auf und zerrte ihre Matratze nach unten. "Ich schlafe auch mit auf dem Boden. So bist du nicht allein unten", sagte sie freundlich. Typisch Lotte. "Noch jemand", fragte Maxi. "Wäre für mehr noch Platz", fragte ich. "Na ja für eine Person schon noch. Willst du", antwortete Anne. "Ich lass dir den vortritt." Ich hätte wirklich gerne dort unten, weit weg von Ena geschlafen, doch ich war den ganzen Tag total unfair zu meinen Freundinnen. All die Wut, die ich auf Ena hatte, hatte ich an meinen Freundinnen ausgelassen und dabei war ich nicht gerade nett zu ihnen gewesen. "Schlaf du unten." Anne nickte: "Ok, ich gehe dann mal ins Bad. Will jemand mit?" "Ich komme nach. Muss noch mein Zeug zusammen suchen", meinte ich. Anne ging schon mal während ich noch mein Waschzeug suchen musste. Es dauerte ein bisschen, aber ich schaffte es. Dann ging ich ins Bad. Anne war gerade unter der Dusche. Ich stellte mich vor einen Spiegel und schaute mich an. Heute morgen noch freute ich mich noch aufs Internat, doch jetzt wünschte ich mich wieder zurück. Am liebsten wäre ich noch vor der Ferien. Dann wäre alles nicht passiert: Benno hätte nicht so ein Theater gemacht wegen seines Handys, Ena wäre noch nicht da und Elias würde sich nicht einbilden, das ich mehr als nur eine gute Freundin wäre. Es wäre noch alles normal. Ich fragte mich ob man die Zukunft verändern könnte, wenn man wisse was passieren würde. Ich schaute noch einmal in den Spiegel: Ich sah mich. Für einen Moment dachte ich, das ich mich verändert hatte, doch dann schüttelte ich meinen Kopf und ging unter die Dusche. Ich duschte recht lange, weil es sich einfach gut anfühlte an diesen kalten Tagen das warme Wasser auf der Haut zu spüren. Es war zwar nicht mit einen warmen Bad zu vergleichen, aber immerhin half es auch. Als ich das Wasser abstellte, hörte ich zwei Personen sich unterhalten. Es war nicht meine Art zu lauschen, aber da ich Annes und Enas Stimme erkannte, hätte ich nicht gedacht das es sich um ein Gespräch handeln würde, was nicht für alle Ohren bestimmt war. "Sag mal was ist eigentlich mit Tom und dir?" "Nichts", antwortete Ena. „Ach komm. Sag bloß er hätte deinen Namen erraten. Klar kennt er dich. Ich will bloß wissen woher.“ Ena schwieg. Ich spürte die Spannung im Raum. „Er ging auf meine Schule. Er und ich konnten uns nicht leiden. Wir gingen uns gegenseitig aus den Weg bis zu dem Tag als ich mich mit Max anfreundete. Na ja seit dem kennen wir uns “, meinte Ena entschlossen. „Also hattet ihr nichts mit einander?“ Ena stöhnte. „Natürlich nicht. Ich will ihn gar nicht kennen. Mir wäre das liebste wenn der Idiot mich gar nicht ansprechen würde. Er soll mich nur in Ruhe lassen.“ Dann hörte ich die Tür knallen. Ich nahm mein Handtuch und trocknete mich ab. Danach ging ich zu Anne, die immer noch vor dem Spiegle stand. „Ärger“, fragte ich. Anne schüttelte ihren Kopf. Ich blickte noch einmal zu ihr. Sie schien in Gedanken versunken zu sein. „Ich gehe dann schon mal“, meinte ich. Dieses ewige Danebenstehen ohne etwas zu machen, fühlte sich so an als wäre ich überflüssige. Deswegen ging ich wieder in mein Zimmer. „Hey Schwester“, begrüßte mich Gustav fröhlich. „Na Bruderherz, Aufsicht?“ Gustav nickte und erwiderte: „Noch jemand im Bad?“ Ich musste mein Lachen unterdrücken. „Anne braucht noch eine Weile. Sie muss doch noch ihren wasserfesten Lidschatten abmachen. Du weißt morgens braucht sie eine Stunde im Bad. Abends dagegen Stunden.“ „Deine Anne? Also nicht melden.“ „Wäre besser. Danke Bruderherz.“ Ich lächelte ihn noch einmal an und wollte schon wieder in mein Zimmer als er mir einen Fünfer in die Hand drückte. „Schulden sind jetzt abbezahlt, oder?“ Ich nickte und konnte endlich in mein Zimmer verschwinden. Dort lieferten sich Maxi und Lotte gerade eine Kissenschlacht. Ich hatte kaum die Tür geöffnet, da bekam ich schon drei Kissen an den Kopf geworfen. Schon war ich mitten in der Kissenschlacht. Wir hörten erst auf als Anne das Zimmer betrat. „Wo ist denn Ena“, fragte sie scheinheilig, „Es ist doch schon nach neun.“ Wir zuckten mit den Schultern. Mir war gar nicht aufgefallen, das Ena fehlte. Wo sollte sie hin gelaufen sein? Es war nach neun und sicher wusste Ena das mittlerweile für uns Lichtschluss war. Ich probierte nicht Anne Enas Fehlen in die Schuhe zu schieben. „Über was habt ihr denn vorhin geredet im Bad“, fragte ich und versuchte es ganz unauffällig klingen zu lassen. „Über Tom. Ich finde es schon komisch, das er sie vorhin im Eiscafe gegrüßt hat. Und wieso hängt Gustav neuerdings mit Tom rum?“ „Anne beruhig dich mal bitte. Irgendwann wird sie uns antworten auf deine Fragen. Doch momentan müssen wir uns erst mal anfreunden. Sie ist neu und wird uns sicher nicht von heute auf morgen ihre größten Geheimnisse verraten“, sagte Lotte. „Anfreunden“, fragte ich einen Tick zu laut. Ich wettete das Gustav sich sehr zusammen reißen musste um uns beziehungsweise mich nicht zu melden. „Ich möchte mich nicht mit ihr anfreunden“, sagte ich. An den Gesichtern der anderen konnte ich erkennen, das ich das Thema lieber wechseln sollte. Ich dachte nach, aber mir fiel nichts interessantes ein. Eine Weile stand ich einfach so da und überlegte. Irgendeine Erinnerung flog durch meinen Kopf. Ich erinnerte mich an Bennos und meinen letzten Geburtstags. „Ja, klar“, murmelte ich vor mich hin. „Hör doch mal auf Ena zu beschimpfen“, ermahnte mich Maxi. „Ich meckere gar nicht. Mir ist nur was eingefallen: Benno schreibt Tagebuch. Wir haben letztes Jahr zu unseren Geburtstag beide ein Tagebuch von unserer Großtante geschenkt bekommen. Ich hab es in die hinterste Ecke meines Schrankes geworfen, aber Benno hatte mal erwähnt, das er es benutzen würde.“ „Klasse Idee“, lobte mich Anne. „Ich bin dabei, aber nur wenn wir mal lesen ob er was über mich schreibt.“ Ich grinste sie an: „Na klar.“ Wir lachten uns an. „Aber Benno will doch Frieden schließen“, unterbrach uns Lotte, „Das heißt keine Streiche mehr.“ „Quatsch! Hast du nicht gesehen wie mein Bruder vorhin fast an seinen Worten erstickt ist. Der will nie und nimmer Frieden. Die TTTs wollen uns heute nur einen Streich spielen. Wetten?“ „TTT? Du sprichst in Rätseln.“ „Lotte, du hast mich doch auf dem Namen gebracht. Ich weiß auch nicht wieso, aber der Name gefällt mir für die fünf Affen. TTT heißt Toilettentieftaucher. Eigentlich sind Toilettentieftaucher immer, die Personen die man Kopf über in eine Toilette steckt um sie zu ärgern, aber der Name passt irgendwie zu ihnen. Außerdem hatte das doch irgendeiner mal mit ihnen gemacht als wir noch fünfte Klasse waren.“ "Also ich finde den Namen toll. Der passt wirklich zu denen. Ich wäre dafür das wir sie nur noch TTT oder Toilettentieftaucher nennen. So wissen sie wenigstens nicht, wenn wir über sie reden", sagte Maxi. Alle waren mit ihren Vorschlag einverstanden. "Und was machen wir nun", fragte ich. "Wie wäre es mit aufräumen? Die Kissenschlacht hat ihre Spuren hinterlassen." Anne grinste und nahm ein Kissen um es nach Lotte zu werfen. Diese duckte sich und Maxi, die hinter ihr saß, bekam es volle Kanne ins Gesicht. Aber Maxi warf das Kissen nicht zurück. "Ich finde wir sollten Ena suchen", meinte sie. "Sie wird schon zu recht kommen. Sie ist alt genug", erwiderte ich. Vorhin noch haben mich alle Blicke getötet dafür das ich über Ena gesprochen habe und jetzt verdarb Maxi die Stimmung. Gerade wollte jemand seine Meinung dazu äußern als es an der Tür klopfte. "Mädels, ich bin es: Gustav" drang die Stimme meines Bruders durch die Tür. "Was ist denn los", fragte Lotte zurück. "Kann ich rein kommen?" Ich schaute zu den anderen. "Wir ziehen nur schnell unsere Bademäntel an, Bruder." Und genau das taten wir auch. Wir zogen schnell unsere Bademäntel an. Bloß Maxi verkroch sich unter ihrer Decke. An einen Bademantel hatten wir bei ihren Sachen packen nicht gedacht gehabt. "Kannst rein kommen", rief Lotte als sie endlich fertig war. Sie hatte ihren Bademantel erst noch suchen müssen.
Gustav öffnete die Tür. "Na ihr", fragte er, wobei er versuchte fröhlich zu klingen, "Erst mal muss ich euch ermahnen leise zu sein." Mit diesen Worten schloss er die Tür und ging auf mein Bett zu um sich fallen zu lassen. "Ist es bequem? Brauchst du vielleicht noch irgendwas oder ist es gemütlich genug", meinte ich ironisch. "Na ja wenn du mir meinen Rücken massieren würdest, wäre ich glücklich, aber nur wenn du möchtest." Ich verdrehte die Augen und gab meinen Bruder eine kleinen leichten Schubs. "Wegen was bist du denn hier", fragte Lotte. Die Sorgen waren ihr ins Gesicht geschrieben. Jeder in diesen Raum wusste, das es nichts gutes heißes konnte, wenn Gustav seinen Posten draußen im Gang verließ um zu uns zu kommen um über etwas zu sprechen. "Wo ist Ena", fragte Gustav ganz direkt nach. Wir schauten uns an. "Ist Ok, wenn ihr es nicht verraten wollt, weil ihr Freundinnen seit. Aber..." "Wir sind keine Freundinnen", unterbrach ich ihn. Maxi sah mich genervt an und Gustav schaute verwundert drein. "Ok. Dann wollt ihr es nicht sagen, weil irgendwas anderes ist. Ich sage euch eins. Mia wird nachher noch bei euch ins Zimmer gucken um zu sehen ob ihr auch nett zu Ena gewesen seit und wenn sie dann immer noch fehlt bin nicht nur ich sondern auch ihr in Gefahr. Also sucht sie und bringt sie hier her. Und ich glaube dafür reicht euch nur eine knappe drei viertel Stunde." Gustav sah uns an. Eigentlich wollte ich zwischendurch einwerfen das wir nicht wissen wo Ena ist, doch ich verkniff es mir. Maxi und ich hatten uns seit Ena hier war fast nur gestritten. Ich hatte keine Lust darauf Ena zu suchen.
"Viel Spaß noch. Bitte sucht sie", sagte Gustav. Danach verließ er unser Zimmer. "Was machen wir jetzt", fragte Anne. "Hat jemand einen Plan. Anne hat ja recht. Maxi dir fällt doch immer etwas ein." "Wieso sollte mir was einfallen? Falls es euch noch nicht aufgefallen ist, wir können nichts machen. Ein Plan bräuchten wir, aber es würde nichts nützen. Vielleicht würde uns Gustav erlauben trotz Lichtschluss noch mal raus zu gehen, aber spätestens, wenn uns eine andere Aufsichtsperson oder Mia findet, ist die Hölle heiß." "Mia hat recht", warf ich ein. "Gibt es doch zu, Paula. Dir wäre es lieber, wenn Ena nicht noch mal auftaucht und deswegen brauchst du nichts sagen", sagte Maxi. Das konnte unmöglich meine Maxi sein. Meine Maxi würde nicht so schlecht mit mir sein. "Ich habe eine Plan und ich werde Ena helfen anstatt wie du einfach nur dazusitzen und nichts zu machen", erwiderte ich vorlaut. "Welchen denn", fragte Lotte mit sehr viel Hoffnung in ihrer Stimme. "Max", rutschte es Anne raus. Lotte, Maxi und ich sahen Anne ratlos an. "Ist doch voll kommen klar", erklärte Anne uns, "Ena und Max sind Freunde. Bei uns fühlt sie sich irgendwie ausgeschlossen und nach meinen kleinen Streit mit ihr vorhin, ist sie bestimmt zu ihn gegangen. Er wird wissen wo sie ist und wenn wir Glück haben, dann ist sie sogar bei ihm im Zimmer und von dort kriegen wir sie locker hier her." "Das wollte ich auch gerade vorschlagen", setzte ich noch schnell hinterher. Maxi schaute ungläubig. "Tolle Idee. Jetzt muss nur noch jemand Max eine SMS schreiben ob Ena bei ihnen ist oder ob er weiß wo sie ist", fügte Lotte hinzu. "Wer hat die Nummer von Max", fragte ich. Alle schüttelten den Kopf. "Von einen anderen TTT." Wieder Kopfschütteln. Das war eigentlich klar. Benno hatte vor langer Zeit zu seinen Affen gesagt, das sie uns ja nicht ihre Handynummern geben sollten, wenn sie ein Handy besaßen. Leo und Basti hatten nämlich kein Handy. Es würden also nur noch Benno, Elias und Max möglich sein uns ihre Handynummern zu verweigern. Elias und Max wollten ihre Freundschaft zu Benno nicht wegen uns zerstören und deswegen hielten sie ihren Schwur. Benno konnte bei sowas echt erbarmungslos sinnlos sein.
"Dann können wir den Plan kippen", meine Maxi. "Stop", rief ich plötzlich. Elias hatte mir seine Handynummer gegeben. Er hatte sich endlich mal über eins von Bennos total blöden Verbote hinweg gesetzt. "Ich hab die Nummer von Elias", sagte ich ganz leise. Leider immer noch zu laut. "Von Elias", wiederholte Lotte verblufft. "Irgendwann erklär ich es euch, aber jetzt schreib ich ihn erst mal." Ich wollte nicht das die anderen erfahren was im Wald passiert ist zwischen mir und Elias. Eigentlich nichts, aber wieso bekam ich in seiner Nähe immer dieses Teegefühl im Bauch? Ich wendete mich der SMS zu. Kurz überlegte ich was ich schreiben sollte. Dann tippte ich: "Hey Elias, Ena ist weg und Max könnte wissen wo sie ist. Kannst du ihn bitte, bitte mal fragen. ssz" Dann schickte ich sie ab. Wir sahen uns schweigend an. Ich weiß nicht mehr wie lange es dauerte bis Elias zurück schrieb. Er war unsere letzte Hoffnung und dieser Gedanke machte warten unerträglich lang. Was wäre, wenn Max es nicht wissen würde? Was würden wir dann machen? Würde sie noch rechtzeitig wiederkommen oder würde das mit Maxi auffliegen und wir doppelt Ärger kriegen. Es klingelte ein Handy. Eine Weile standen wir nur da und warteten darauf, das jemand die Stille unterbrach. „Paula, das ist deins“, sagte Maxi. Ich ging auf mein Handy zu. Mittlerweile hatten wir nur noch etwas über einer halben Stunde Zeit. Ich nahm das Handy in die Hand. Zitternd öffnete ich die SMS. "Sie ist bei uns." Erleichtert atmete ich auf. Dann wandte ich mich zu den anderen und sagte: "Sie ist bei den Jungs." "Schlecht", sagte Maxi. "Wieso", fragte Anne. "Ist doch total klar. Wir müssen in den Jungenflur. Dort ist auch ein Aufpasser. Wie sollen wir an ihm vorbei kommen", fragte Lotte. "Auf jeden Fall müssen, welche hier bleiben. Für den Fall, das wir vorher von Mia besucht werden." "Wie machen wir das?" "Ich bin auch der Meinung, das wir nicht alle dahin sollen. Ich denke zwei sollten reichen", meinte ich. "Ist doch klar, das du nicht mit willst. Ich finde, aber das gerade du und Anne dahin gehen solltest", sagte Maxi. "Wieso ich?" "Ena ist zu Max, weil sie befreundet sind. Bei uns im Zimmer hat sie zwar Maxi, aber wenn sie von uns die ganze Zeit dumme Kommentare hört, ist es klar das sie nicht wieder zu uns will. Wenn Paula und Anne sie holen gehen und ihr euch entschuldigt, dann wird sicher mit kommen. Also gehen Anne und Paula", erklärte Lotte. "Und wie sollen Paula und ich das machen?" Lotte lächelte. "Das lasst Maxi und mich regeln. Ihr wartet hier fünf Minuten und dann geht ihr." Lotte nahm Maxis Arm und zerrte sie raus. "Nun bleibt uns nichts anderes übrig", sagte Anne. "Na meinetwegen. Hauptsache wir bringen, das schnell hinter uns", antwortete ich. Anne und ich warteten die fünf Minuten, wobei uns jede Sekunde so vorkam als würde sie ewig dauern. Während dieser Zeit schwiegen wir uns an. Ich hätte mich gerne mit Anne unterhalten, aber der Streit mit Maxi lag mir im Magen. Ich dachte immer, das nichts und niemand Maxi und mich auseinander bringen kann. Und nun sollte ich dieses nichts und niemand retten. Obwohl ich mit der Aktion vielleicht auch eher mich rettete als sie. "Es ist so weit", holte mich Anne aus meinen Gedanken zurück. Ich nickte. Was hätte ich sonst machen sollen? Ich folgte Anne aus dem Zimmer. Gustav war verschunden. Eigentlich hätte mich das wundern müssen, doch ich war, genauso wie Anne, damit beschäftigt darauf aufzupassen, das uns keiner sieht und das wir leise blieben. Wir verließen unseren Flur, um dann gegenüber in den Jungenflur zu gehen. Komischerweise war im Flur auch kein Aufpasser, der die Einhaltung des Lichtschlusses nachprüfte. Anne und ich mussten bis ans Ende des Flures. An der letzten Tür blieben wir stehen. "Ich hab mir geschworen mich lieber lebendig begraben zu lassen als je einen Fuß in dieses Zimmer zu tun", flüsterte ich zu Anne. "Du musst nicht mit rein. Ich hole sie auch alleine daraus", flüsterte Anne zurück. Ich dachte einen Moment an Maxi. Sie würde mich jetzt mit hinein schleifen. "Bleib hier draußen. Ich mach...", fing Anne an zu flüstern. "Hörst du das? Da komm jemand die Treppe hoch." Ich erstarrte und lauschte. Tatsächlich hörte man jemanden die Treppe hoch lief. Ich antwortete: "Ok. Lass uns gehen." Anne nickte und klopfte leise an der Tür. Die Tür ging einen Spalt auf und dann wieder zu. Drinnen hörte man Stimmen, dann öffnete sich die Tür wieder. "Kommt rein", begrüßte uns Elias sehr leise. Anne ging schnell in den Raum. Ich stand noch davor und atmete tief ein. Wollte ich wirklich dahinein? Wollen tat ich es nicht, aber ich musste. Ich folgte Anne ins innere des Raumes. Elias schloss die Tür hinter mir. Drinnen war es dunkel. "Macht ihr mal das Licht an", fragte Anne nett. "Geht leider nicht, weil man das sonst draußen sieht. Das würde Mia checken und hoch kommen und wenn sie uns alle hier sehen würde, gebe das ziemlich viel Ärger", antworte Benno. "Komm Ena wir gehen, dann müssen die Jungs nicht solche Angst haben", sagte ich. Etwas bewegte sich. Ich nahm an es wäre Ena. Ich nahm den Arm und wollte sie mitzerren, doch stattdessen vernahm ich Elias' Worte: "Paula? Kannst du mich loslassen?" Obwohl man nichts sah, merkte ich die Blicke der anderen, die mich durch bohrten. Ich lief Rot an, doch zum glück sah das niemand, da es dunkel war. "Seit nett zu Ena", meinte Benno. Ich spürte das Anne sich auf die Lippen biss. "Danke für eure Gastfreundlichkeit, aber ich hätte einfach nicht überreagieren sollen, dann wären wir nicht hier. Es war heute einfach alles zu viel für mich", meinte Ena entschuldigend. "Lasst uns gehen", sagte ich versöhnlich. Anne und Ena stimmten ein. Elias öffnete uns die Tür. Er streckte seinen Kopf raus und schickte uns dann raus. "Die Luft ist rein. Dann.... schlaft schön." Ich ging als letzte raus in den Flur. Ich drehte mich noch einmal um. Ich konnte Elias' Gesicht nicht erkennen, doch ich wusste, das er mich anschaute. Ich ging weiter in den Flur. Elias schloss die Tür. Anne, die vor mir lief, blieb stehen. "Sorry, das ich vorhin so gemein war. Es geht mich nichts an. Freunde?" "Freunde", antworte Ena. Anne und Ena lächelten sich an. Wir wollten weiter gehen, doch dann verging uns das Lächeln. "Schönen guten Abend die Damen", sagte Mia freundlich. "Hallo Mia", entgegnete Anne genauso freundlich. "Euch hätte ich hier nicht erwartet. Zumindest hätte eurer Plan geklappt, wenn ihr nicht versucht hättet ganz leise zu sein. Hier ist es nie leise." Wir bissen uns auf die Lippen. Wie konnte es nur sein, das wir knapp vor den Ziel, doch noch geschnappt wurden. "Mädels, sagt es mir ehrlich. Was habt ihr hier verloren?" Anne und ich schauten uns an. Wir zwei hatten hier wirklich nicht viel verloren. Ena könnte, wenn sie sich dumm stellen würde, behaupten, das sie es nicht gewusst hatte und deswegen hier rum lief. Anne und ich konnten hier nicht so leicht rauskommen. "Mia, wir...", begann ich, doch ich wurde von Ena unterbrochen. "Sie...ähm du musst sie entschuldigen. Ich musste nichts von den Lichtschluss und war noch bei den Jungs. Sie, ich meine doch, du weißt es vielleicht nicht, aber Max kenne ich von früher. Ich war bei ihm und wir haben uns unterhalten und die Zeit vergessen. Irgendwann haben mir die Jungs von den Lichtschluss erzählt und da wusste ich nicht wie ich wieder zurück kommen sollte. Da haben die Jungs, Paula und Anne gerufen um mich zu holen, damit ich keinen Ärger kriege. Na ja und alles ist meine Schuld." Mia schaute uns prüfend an. Sie überlegte ob sie glauben konnte was Ena ihr erzählte. "Also gut, dann geht jetzt mal wieder in eurer Zimmer." Wir atmeten aus. Durch Ena wurden wir gerettet.
Mia brachte uns bis zu unserer Tür. Gustav sah einbisschen verwirrt aus, spielte aber ,ohne von Enas kleiner Geschichte zu wissen, gut mit. Im Zimmer konnten wir dann endlich unsere Gedanken fassen. "Danke Ena, das du uns gerettet hast. Und wegen vorhin: Tut mir Leid, wollte ich nicht", entschuldigte sich Anne. Sie umarmten sich. Nun waren alle Augen auf mich gerichtet. Ich atmete tief durch und ging dann auf Ena zu. "Sorry, das ich so gemein zu dir war. Danke wegen eben", sagte ich. Ena lächelte mich an. "Ist schon Ok. Ich hätte mich nicht anders verhalten, wenn eine Neue in meinen Freundeskreis hinzugestoßen wäre." Wir lachten. Dann schauten wir zu Lotte und Maxi. "Und wie habt ihr euren Plan geschafft", fragte Anne. Lotte und Maxi grinsten. "Nehmt es uns nicht übel, aber das bleibt ein kleines Geheimnis", sagte Maxi. Lotte musste kichern. "Apro pro Geheimnis. Paula, wieso hast du die Handynummer von Elias", fragte Maxi. "Weil... ich... er... er hat sie mir gegeben. Woher soll ich wissen, wieso er mir unbedingt seine Nummer geben wollte", sagte ich genervt. Ich wollte den anderen nicht von dem erzählen, was im Park zwischen Elias und mir vorgefallen war. Ich wollte mir keine Witze über Elias' Verhalten anhören. Und was ich ganz besonders nicht wollte, waren irgendwelche Sprüche wie "Paula und Elias, das perfekte neue Traumpaar." Wir waren Freundinnen und für einander da in guten wie in schlechten Zeiten. Doch manchmal ärgerten wir uns und zogen uns gegenseitig mit etwas auf. Und genau auf das hatte ich momentan keine Lust.
"Na ja ist auch egal", meinte Lotte. Sie hatte erkannt, das ich keine Lust hatte darüber weiterreden. "Was machen wir nachher?" "Gute Frage, Lotte", sagte Anne. "Ich hab es euch doch schon gesagt. Die Jungs wollen uns nur einen Streich spielen." "Paula hat Recht. Wir sollten es lieber lassen, denn wir haben für heute schon genug aufsehen erregt. Wie wäre es mit schlafen?" "Komm Maxi, du wolltest doch schließlich unbedingt zu den Jungs", beschwerte sich Lotte. "Nee Leute. Ich bin jetzt so müde, das ich echt keine Lust habe, dahin zu gehen. Lasst uns schlafen", schlug Maxi erneut vor. Alle waren einverstanden. Maxi, Lotte und Anne legten sich auf die Matratzen beziehungsweise auf die Luftmatratze, die ja auf den Boden lagen. Keine fünf Minuten später hörte ich sie schon um die Wette schnarchen. Ich dagegen konnte nicht schlafen. Mir ging der ganze Tag durch den Kopf. Ich drehte mich von links nach rechts und von rechts nach links. Dann legte ich mich auf den Rücken, um mich kurze Zeit später auf den Bauch zu legen und zwischendurch rollte ich mich immer wieder auf die Seiten. "Kannst du auch nicht schlafen", fragte Ena. Das sie noch wach war, wusste ich nicht. "Mhm", antwortete ich. "Sag mir welches Problem du mit mir hast, bitte." Ich überlegte was ich ihr sagen sollte. "Alles dreht sich um dich. Maxi redet nur von dir. Anne und Lotte wollen auch die ganze Zeit nett zu dir sein und mit dir reden. Das geht einen echt auf die Nerven." "Ich will dir deine Freundinnen nicht wegnehmen. Es ist doch nur das ich irgendwie Anschluss finden will. Maxi und Max sind die einzigen die ich hier kenne." "Und Tom", fragte ich. Ena war ja ganz nett und so, aber Annes Neugier wegen Tom hatte mich angesteckt und deswegen wollte ich mal nachfragen. "Tom zählt nicht oder sag mir das du ihn leiden kannst." "Hast ja Recht. Ich glaube ja gar nicht das du mir meine Freundinnen wegnehmen willst. Es ist nur das meine Maxi aufeinmal so komisch zu mir ist." Es war eine Weile still. Ich dachte schon das Ena eingeschlafen wäre, aber dann antwortete sie doch: "Maxi hat zwei Welten. In der einen Welt bist du ihre allerbeste Freundin. In der anderen Welt existiere ich als eine gute Freundin von ihr. Jetzt sind die zwei Welten zu einer Welt zusammen geschmolzen. Sie kann sich nicht entscheiden wie sich uns gegenüber verhalten soll. Sie hat ihre Schwester nur aus einen Grund gebeten, das du meine Patin wirst. Nämlich das wir uns gut verstehen und sie sich um uns gleich kümmern kann." Mir tat Maxi leid. Von ihrer Seite aus, hatte ich die Geschichte noch nicht gesehen. Sie musste sich zwischen uns entscheiden. Doch wieso fiel ihr die Entscheidung so schwer? Wieso hatte sie sich nicht von Anfang an für mich entschieden. ICH war ihre beste Freundin. "Wir können uns doch nun verstehen. Oder gibt es noch was, was dagegen spricht?" Ich schloss meine Augen. Unter diesen Bedingungen war Ena immer noch meine Feindin. Maxi sollte sich für mich entscheiden. Für mich. Sie sollte nicht darauf warten, das wir uns vertragen und sie keine Entscheidung fällen muss. Und genau deshalb war es momentan unmöglich mich mit Ena anzufreunden. "Ja, es gibt noch etwas was dagegen spricht. Du! Du gehst mir einfach nur auf die Nerven. Lass mich in Ruhe. Such dir am besten ein neues Zimmer, sonst mache ich dir die Zeit hier zu schlimmsten deines Lebens." Ena sagte nichts. Vielleicht schlief sie schon. Vielleicht wäre es gut, wenn sie schon schlafen würde. Eins aber stände trotzdem fest, ich hatte ihr den Krieg erklärt.
Es fühlte sich so an als ich hätte ich gar nicht schlafen als Maxi mich wach rüttelte. Es war dunkel. „Schon Zeit für die Schule“, fragte ich gähnend. „Nein, aber zehn Minuten vor Mitternacht. Wir haben uns vorhin doch noch dafür entschieden, das wir zu den Jungs gehen. Kommst du mit“, erzählte mir Maxi. Auf einmal war ich putzmunter. „Klar, komme ich da mit!“ Obwohl ich total dagegen war, wollte ich mit, denn das war meine Chance Maxi zu zeigen, das ihre beste Freundin war.
"Nehmen wir Ena mit", fragte Lotte. Mir stockte der Atem. "Quatsch. Die Ärmste hat schon genung Ärger bekommen. Lasst uns alleine gehen", entgegnete Maxi. Man war ich froh, dass sie das sagte. Ich zog mir meinen Bademantel über und folgte dann den anderen. Vor der Tür standen wir ganz leise. "Meinst du das Mia schon schläft", fragte Lotte. "Sicher", meinte Anne, "Lasst uns los gehen." Maxi ging vorne weg und wir anderen drei folgten ihr. Ich war auch gar nicht mehr sauer, das Maxi unbedingt zu den TTTs wollte, schließlich unternahmen wir jetzt etwas zusammen ohne Ena.
Wir blieben vor der Tür des Jungenzimmers stehen. "Drei Minuten vor Mitternacht. Wie wärs, wenn wir lauschen was die darinnen bereden", fragte Maxi. "Ja",flüsterte ich zurück. Ich konnte immernoch nicht glauben, dass die Jungs Frieden schließen wollten. Gerade hatten Maxi und ich uns gegen die Tür gelehnt, als diese geöffnet wurde. Wir beide verloren den Halt und fielen zur Tür herein. Nur ganz knapp konnten wir einen Schrei unterdrücken. "Lauschen ist, aber nicht sehr nett, wenn wir euch so ein tolles Angebot machen, oder", flüsterte Leo. Er grinste. "Ihr könnt rein gehen, ich gehe jetzt noch mal ins Bad und dann bin ich wieder da." Anne, Lotte, Maxi und ich wechselten Blicke, gingen dann aber doch rein. "Ihr fliegt von der Schule", begrüßte Lotte die TTTs. "Wie hätten wir sonst Licht machen sollen ohne das es jemand bemerkt", erwiderte Benno. "Na auf jeden Fall würden wir keine Teelichter auf den Boden in Herzform aufstellen", antwortete ich. Benno schaute auf den Boden und dann wieder hoch. "Alles gute zum Valentinstag, Anne. Und sorry wegen gestern. Es ist ja schon nach Mitternacht", meinte Benno liebevoll. Und dann schaute Benno Anne auch noch total kitschig an. "Benno beeil dich doch mal"; sagte Basti, das eindeutig letzte Mitglied von Bennos Kindergarten. Ihm hatte ich noch gar nicht bemerkt. "Was ist denn mit dir passiert", fragte Lotte. "Kleiner Unfall", murmelte Basti. Jetzt erst sah ich, das Bastis rechter Fuß in Gips war. Kein Wunder das Basti auf seinen Bett saß und neben ihm Krücken standen. "Was für ein Unfall", hakte Lotte nach. "Ein kleiner Unfall. Ist echt nichts weiter passiert", sagte Basti leicht genervt. Er redete nicht viel. Ich glaube manchmal kam er sich wie ein Kleinkind vor, schließlich wäre er eigentlich eine Klasse übr uns, aber er war sitzen geblieben. Seine Harre waren kurz und braun. Außerdem dachte Basti, das er einfach total cool wäre, was er nicht ist. Deshalb benimmt er sich meist wie der letzte Vollidiot und passt ganz gut zu Benno.
"Du brauchst ja nicht gleich Lotte anzufahren", erklärte Maxi. "Wir warten auf Leo", erwiderte Benno. "Ach Benno weißt du was. Entweder jetzt oder kannst uns mal. Wir haben heute schon zwei mal wegen euch Ärger bekommen. Ein drittes Mal bitte nicht." "Warte doch Paula. Ok, wir sagen es gleich." Ich starrte ihn erwartungsvoll an. Benno guckte noch einmal zu Anne: "Sorry, nimm es nicht persönlich Anne. Du wohnst eben mit meiner Schwester in einen Zimmer." In diesen Moment betrat Leo kichernd das Zimmer. "Dann kannst du ja endlich sagen, was die Bedingung für unserem Waffenstillstand sind", sagte Maxi. Benno grinste: "Wenn Schweine fliegen können, dann wird Waffenstillstand zwischen uns sein. Und wenn ihr jetzt nicht auf eurer Zimmer geht, dann rufen wir Mia.Tschau." Ich hatte es mir doch gedacht, das er das nicht ernst meinen könnte mit dem Frieden. Bloß wo war der Haken dabei? Er hatte uns mitten in der Nacht in sein Zimmer geholt und das wars? Naja mir sollte es recht sein.
Etwas verwirrt und müde verließen wir das Zimmer. "Anne", fragte Benno noch beim rausgehen. "Benno, das ist der falsche Zeitpunkt", hörten wir Basti noch vom Bett sagen, dann schloss Benno mit einen tränenden und einen lachenden Auge die Tür. "Komisch, oder", flüsterte Maxi mir zu. "Er wird immer seltsamer", entgegnete ich. Dann wollte Anne die Tür öffnenen. Sie drückte die Klinke runter, doch es tat sich nichts. "Wer hat abgeschlossen", fragte sie. "Keiner. Ich war die letzte die raus ist", sagte ich. "Aber die Tür schließt sich doch nicht von selbst ab, oder?" "Das waren die Jungs", antwortete Anne flüsternd. "Lasst uns erstmal auf Toilette gehen, sonst hört uns noch jemand", schlug Maxi vor. Als wir im Bad waren, musste sich Anne natürlich ersteinmal im Spiegel anschauen. "Anne wir haben dafür keine Zeit", sagte ich leicht genervt. Dann hörten wir die Toilletenspülung und aus einer der Toiletten kam Ena. "Was ist denn hier los", fragte sie ziemlich verschlafen. "Hast du abgeschlossen?", fragte Lotte. "Quatsch! Ich habe doch nicht einmal den Schlüssel", entgegnete Ena ihr. "Dann sitzen wir bis morgen früh hier fest! Die Jungs haben uns reingelegt und uns ausgesperrt! Hat jemand eine Idee?" "Wir wäre es....", fing Ena an. Rettete Ena uns heute etwa schon wieder? Wenn das so weiter gehen würde, würde ich spätestens morgen eine Krise kriegen. Aber naja, wenn sie die rettende Idee hatte, sollte es mir Recht sein.
Wir schauten sie alle gespannt an. "...wenn ihr mich erstmal meine Hände waschen lasst" ,beendete Ena ihren rettenden Satz. "Anne, hör doch endlich mal auf an deinen Haaren rum zu fummeln. Wieso trägst du eigentlich nachts eine Spange in deinem Haar?", sagte ich langsam echt genervt. "Ich hab´s", schrie Maxi aus, "Ich hab das mal in einem Film gesehn, dass man mit einer Haarspange eine Tür aufmachen kann. Lasst es uns probieren!" Wir folgten Maxi auf den Flur vor unser Zimmer. Anne gab ihr die Spange ohne Wiederworte. Was sollte sie auch ohne ihre heiß geliebten Feuchtigkeitscremes tun? Es dauerte ganz schön lange, aber Maxi bekam die Tür dann doch noch auf. Erschöpft gingen wir hinein und ließen uns auf unsere Betten fallen. Schon nach kurzer Zeit waren wir alle eingeschlafen.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und bemerkte, dass ich erste war, die wach war. Müde schaute ich auf den Wecker. Es war dreiviertel sieben. "Mist!", rief ich laut. Lotte schreckte hoch: "Lasst mich schlafen." "Leute, es ist schon fast sieben." Jetzt wachten auch Maxi und Anne auf. "Wieso hat denn keiner einen Wecker gestellt", fragte Lotte. "Haben wir doch, aber auf zehn vor Mitternacht. Und zurück in unseren Zimmer hab ich vergessen, die Wecker wieder auf um sechs zu stellen", sagte Maxi entschuldigend. "Ah", schrie Anne. Das war so laut, das sogar Ena aufwachte. "Schon Mittag", fragte sie müde. "Nein", erwiderte Anne hysterisch, "Heute ist Valentinstag. Ich muss unbedingt mit Benno darüber sprechen. Ich meine was sollte das gestern und... AH... gerade heute brauch ich doch so lange im Bad. Heute ist VALENTINSTAG. AH!" "Mann, krieg dich mal wieder ein!", sagte ich noch total müde vor mich hin. "Mich einkriegen? Der heutige Tag könnte über Zukunft entscheiden. Mensch Paula, ich könnte deine Schwägerin werden." "Anne, er ist bloß Benno. Hast du vergessen wieso wir heute so müde sind? Benno hat uns ausgeschlossen. Kapierst du es nicht? Er ist Benno. Meinetwegen verknall dich in jeden Typen von der Schule außer in Benno und in..." In wem sollte sie sich noch nicht verknallen? In Elias? Ach quatsch der war mir egal. Wirklich. "... und nicht in Gustav. Und jetzt sollten wir uns beeilen." Ich nahm mein Zeug und ging ins Bad. Dieses ganze Benno-ist-so-toll-ich-liebe-ihn-ja-so-sehr-getune konnte ich mir echt nicht mehr anhören. Die anderen brauchten auch gar nicht lange, bis sie mir ins Bad folgten. Alles lief schweigend ab, bis sich die Tür bewegte. "Paula? Anne? Lotte? Ena? Seit ihr hier", rief Mia. Wir wechselten Blicke und dann antwortete Ena mit "Ja". Mia atmete tief durch, dann fuhr sie fort: "Wisst ihr eigentlich wie spät es ist? Ihr habt die gesamte 1. Stunde vertrödelt!" "Aber vorhin war es doch erst dreiviertel sieben und...und wir haben doch garnicht so lang gebraucht", verteitigte Maxi uns. "Und was machst du hier? Hast du kein zu Hause mehr, oder haben dich Mama und Papa raus geschmissen, oder was?" "Du weißt doch garnicht, was ein zu Hause ist! Du hast doch überhaupt keine Ahnung, was bei uns zu Hause so alles abgeht...! Du bist vor 2 Jahren ausgezogen und hast dich seitdem nicht mehr gemeldet! Wahrscheinlich wissen sie noch nicht einmals, dass du hier arbeitest!" Wütend rannte Maxi aus dem Bad. "Schaut nicht so, sondern beeilt euch so schnell wie möglich zum Unterricht zu kommen. In der Mittagspasue kommt ihr bitte zu mir. Ciao." Mia ging dann schnellen Schritte aus dem Bad. "Das gibt Ärger", sagte Lotte, "Jemand sollte hinter Maxi her." Ich wollte schon antworten, da lief Ena los. "Habt ihr das gesehen? Kaum hier denkt sie schon das sie sich alles erlauben kann. Ich fass es nicht. Wer ist sie denn schon." "Ruhig Paula. Enas einzigste Freundin ist Maxi und deswegen will sie ihr auch helfen." "Schön und ich? Ich bin ihre beste Freundin und sie meine. Sagt mir wie fühle ich mich jetzt?" "Wenn sie deine beste Freundin ist, dann las ihr helfen. Wenn ihre Hilfe nun mal Ena ist, dann lass sie Ena sein. So und jetzt sollten wir uns beeilen. Ich will Benno sehen", sagte Anne. Damit war das Thema beendet. Ich folgte Lotte und Anne in unserer Zimmer. Wir nahmen unsere Sachen und gingen. Wir gingen über den Hof in das Schulgebäude. Dann stapften wir vorsichtig die Treppen hoch. Mittlerweile war ja schon wieder Unterricht. Doch schon standen wir vor dem Klassenraum. Wir tauschten untereinander Blicke aus. "Ich mache es", sagte Anne. Mit diesen Worten öffnete sie die Tür. Einen Augenblick war es mucksmäusen still. Man hätte ein Haar fallen hören können. "Wir haben verschlafen. Tut uns leid. Kommt nicht wieder vor", sagte Lotte. "Verschlafen? Im Internat? Mädels denkt euch beim nächsten Mal eine orginellere Ausrede aus. Nachsitzen für euch drei. Kommt bitte nach dem Unterricht zu mir. Setzt euch bitte hin. Im übrigen Maxi und Helena haben sich krank gemeldet. Das finde ich schade, denn schließlich solltet ihr eure neue Mischülerin Helena kennen lernen. Was steht ihr noch an der Tür herum Paula, Karlotta und Anne? Setzt euch, aber was ich noch sagen will: Es gibt eine kleine Veränderung im Sitzplan. Paula setz sich bitte neben deinen Bruder." Ich stand wie unter Schock da. Anne und Lotte nahmen meinen Arm und zerrten mich mit in den Klassenraum. "Das ist viel zu viel Strafe. Entweder Nachsitzen oder Benno. Aber bitte, bitte nicht beides", fehlte ich unsere Klassenlehrerin an. "Paula, du kennst mich. Deine Widerworte machen das höchstens schlimmer, nie besser. Außer du möchtest mit mir über wichtige Dinge diskutieren. Setzt euch also, bitte" , sagte Frau Kleinert. Ich schaute hilfesuchend zu Lotte und Anne. Aber es war zwecklos. Gegen unsere Klassenlehrerin konnte man eben nichts machen.
"Setzt ihr euch jetzt bitte hin. Ihr unterbrecht meinen wertvollen Biologieunterricht." Uns blieb nichts anderes übrig und so mussten wir uns hinsetzten. Dann erzählte Frau Kleinert weiter über ihr Unterrichtsthema. Ich hörte ihr nicht zu. Wie sollte ich auch? Ich saß neben Benno. Was aber noch schlimmer war, war das neben mir ein Stuhl frei war und dann Elias kam. Ich konnte mir denken wer hier sitzen würde. Das war sicher nicht Maxi, sondern Ena. Apro pro Ena: Was Max wohl von der ganzen Sache hielt? Der ist sicher sehr traurig das sie nicht da ist.
"Na schön geschlafen", flüsterte Benno mir ins Ohr. Noch bevor ich antworten konnte, klingelte es. Die restliche Stunde war ziemlich schnell vorbei gegangen. Mit Anne und Lotte ging ich nach vorne zu Frau Kleinert. "Seit ihr wenigstens ausgeschlafen", fragte Frau Kleinert. "Nein", antwortete ich. "Schön das du heute so ehrlich bist, Paula", meinte Frau Kleinert. "Frau Kleinert, verstehen sie bitte doch, wir haben nicht geschwänzt", erklärte Anne. "Da haben mir vorhin die Jungs etwa anderes erzählt." Ich sah Frau Kleinert geschockt an. "Ich glaube, ihr braucht kein Nachsitzen. Aber ich muss ein Wörtchen mit den Jungs wechseln. Mir war von Anfang an klar, dass ihr nicht schwänzt. Ich wollte nur eure Bestätigung. Entschuldigt mich." Dann stand Frau Kleinert auf und ging auf die TTTs zu. "Siehst du jetzt was er für ein Idiot ist? Kapierts du es jetzt, Anne? Benno ist mit Herz und Seele ein TTT. Einmal TTT, immer TTT."

28.6.08 13:35

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